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APA-Artikel 25. April 2014

Pharmig-Jubiläum: Krebshilfepräsident hat Angst um Spitzenmedizin

"Noch" gehöre das österreichische Gesundheitswesen zu den besten der Welt. Doch das ist laut dem Wiener Gynäkologen und Präsidenten der Österreichischen Krebshilfe, Paul Sevelda, in Gefahr. Man spüre in Österreich bereits zunehmend Schwierigkeiten bei der Umsetzung modernster Therapien, warnte er Freitag bei der Generalversammlung des Verbandes der pharmazeutischen Industrie (Pharmig) in Wien.

Im Festsaal - die Pharmig feierte 60 Jahre ihres Bestandes als Plattform der Pharma-Industrie - saßen hochrangige Vertreter des österreichischen Gesundheitswesens, unter ihnen Hauptverband-Chef Hans Jörg Schelling, der eine führende Rolle bei der derzeit laufenden Gesundheitsreform einnimmt. Vom Podium mit einem Beitrag von Sevelda in Sachen Onkologie kamen dazu mahnende Worte: "Wir haben bisher einen extrem schnellen Zugang zu Neuentwicklungen (Krebsmedikamente, Therapiekonzepte; Anm.) gehabt. Dieser Prozess ist sehr in Gefahr. Auch in Österreich merken wir, dass wir sehr viel mehr Argumente brauchen, um Medikamente so anzuwenden, wie wir das brauchen. Wir erleben heute schon einen Ärztemangel und Kostendruck." Zusätzlich gebe es Schwierigkeiten, die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft in die klinische Forschung umzusetzen.

Pharmig-Präsident Robin Rumler hatte zuvor die Rolle der Pharma-Industrie für die moderne Gesellschaft betont: "1954 lag die durchschnittliche Lebenserwartung in Österreich bei 65 Jahren. Wir werden heute 80, nicht zuletzt durch bessere Medizin und Medikamente." Um 2030 dürfte die durchschnittliche Lebenserwartung bei ungefähr 90 Jahren liegen. Zum Status des österreichischen Gesundheitswesens merkte er kritisch an: "Wir haben genug Geld im System. Ist es richtig verteilt? Wir haben eine Krankenhauslastigkeit des Gesundheitswesens, viele Doppelgleisigkeiten und niedrige Medikamentenkosten. Wir sind in Österreich 'Impfmuffel' und bieten Vorsorge an, die nicht angenommen wird."

Dabei stehen Arzneimittelindustrie und das gesamte Gesundheitswesen derzeit in einem Umbruch durch die neuen Erkenntnisse von Genforschung und Molekularbiologie. Dafür dürfte es völlig neuer Konzepte in Bereitstellung und Anwendung von Diagnosemaßnahmen und Therapien bedürfen. Johannes Khinast, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Research Center Pharmaceutical Engineering, nannte folgende Megatrends: "Medikamente werden komplexer. Die Personalisierung der Medizin wird alles, was bisher war, wegdrängen." Individualisierung der Therapien, Sicherstellung der Therapietreue des Patienten und völlig neue Systeme zur Anwendung von Arzneimitteln würden zu der Revolution beitragen.

Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber hatte bei der Veranstaltung auch die hohen Investitionen der Pharma-Industrie genannt: Die Entwicklung eines einzigen neuen Arzneimittels koste bereits bis zu 1,5 Milliarden Euro. Die Pharma-Industrie stehe mit einem Anteil von Forschung und Entwicklung vom Umsatz mit 14,4 Prozent unter allen Branchen an der Spitze. In Österreich gibt in der Arzneimittelindustrie rund 12.000 Arbeitsplätze. Die Industrie hat sich in den vergangenen Jahren über entsprechende Verträge an der Finanzierung der Krankenkassen, an der Förderung von Kindergesundheits- und Präventionsprojekten sowie an der Kinder-Arzneimittel-Forschungsinitiative OKIDS wesentlich beteiligt.

apa.at

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