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APA-Artikel 25. April 2014

Strahlenbedarf: Handlungsbedarf bestätigt - Bedarfsanalyse gewünscht

Die laut einer europäischen Vergleichsstudie und österreichischen Radio-Onkologen bestehenden großen Mängel in der Kapazität der Strahlentherapie in Österreich sollen jetzt angegangen werden. Freitagvormittag fand ein erstes Gespräch von Vertretern der Ostregion (Wien, NÖ und Burgenland) mit den Patientenanwälten und Strahlen-Experten statt. Es soll zunächst zu einer Bedarfsanalyse kommen.

"Das Gespräch war konstruktiv. Alle waren mit dem Ergebnis zufrieden", sagte NÖ-Patientenanwalt Gerald Bachinger, auch Sprecher der österreichischen Patientenanwälte. Von allen Teilnehmern "unbestritten" sei vorhandener Handlungsbedarf gewesen. Dies gehe aber über die drei Bundesländer hinaus. Der Patientenanwalt: "Ich werde deshalb bei der nächsten Bundesgesundheitskommission Ende Juni den Antrag stellen, dass die 'Gesundheit Österreich' (GÖG) damit beauftragt wird, eine Bedarfserhebung durchzuführen." Dies solle einerseits den Istzustand Medizin/Forschung/Krebs/Krankenhäuser/Wienbelegen, andererseits auch die notwendigen Strahlentherapiekapazitäten - speziell für Krebserkrankungen -, Art und Typ der notwendigen Geräte in der Zukunft darstellen. Mankos dürfte es zumindest auch in der Steiermark und in Kärnten geben.

Übereingekommen ist man gemäß dem Patientenanwalt auch darin, dass man das Management der oft langwierigen Krebserkrankungen unter die Lupe nehmen wolle. Es sei zum Teil auch offenkundig, dass bei langen Wartezeiten schon bei der Diagnose auch später Verzögerungen möglich seien. Kurzfristig werde auch an einer Optimierung an den vorhandenen Strahlentherapieabteilungen mit deren Geräten gearbeitet werden. Es gebe scheinbar auch nicht immer voll ausgelastete Ressourcen. Hier sollen Dienstabläufe etc. verbessert werden, um die Wartezeiten zu reduzieren. Der Aufbau neuer Linearbeschleuniger-Anlagen und die Ausbildung des notwendigen Personals benötigt auf jeden Fall einige Jahre.

Weiters soll es über Health Technology Assessment (HTA; Medizintechnik-Folgenabschätzung) zu einer Analyse kommen, wo die "begrenzten Mittel" bestmöglich eingesetzt werden können. Sie sollten dort eingesetzt werden, wo die Patienten am meisten davon profitierten. Dies gelte insbesondere für die häufigsten Krebserkrankungen wie Mamma-, Prostata- und Lungenkarzinome.

Die Kapazitätsmängel bei der Strahlentherapie in Österreich sind bereits jetzt gut belegt: Die Richtwerte des Österreichischen Strukturplanes Gesundheit (ÖSG) liegen laut Ärztekammer bei einem strahlentherapeutischen Großgerät pro 100.000 bis 140.000 Bewohner. "Demnach müsste es in Österreich mindestens 64 Geräte geben, tatsächlich gibt es 43. Damit fällt Österreich gegenüber west- und nordeuropäischen Ländern deutlich ab. Für eine Million Einwohner stehen hierzulande durchschnittlich fünf Linearbeschleuniger zur Verfügung, in Westeuropa sind es sieben", erläuterte vor kurzem Karin Kapp (MedUni Graz), die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Radio-Onkologie, Radiobiologie und Medizinische Radiophysik (ÖGRO). Besonders arg sei der Mangel in Ostösterreich.

"Wir verlieren Menschenleben. Jeder Tag, den wir (bei Krebspatienten; Anm.) verlieren, bedeutet schlechtere Überlebenszeiten", hatte beispielsweise auch der Wiener Strahlentherapeut Robert Hawliczek (SMZ-Ost) erklärt. Karin Kapp sagte dazu: "Von dem Mangel besonders betroffen ist Wien, wo 30 Prozent der niederösterreichischen Patienten behandelt werden. Niederösterreich kommt nicht dem Auftrag des ÖSG nach." Die Steiermark stehe schlecht da. Laut Hawliczek müsste Niederösterreich wiederum auf eine ähnliche Zahl der Geräte wie Wien - auf zwölf bis 14 (Wien derzeit: elf) - kommen: "Es sind in Niederösterreich aber nur fünf, einer davon 'gehört' dort dem Burgenland." Man verstecke sich offenbar hinter dem MedAustron-Großprojekt: "Dieses Großprojekt wird nicht versorgungswirksam." Radio-Onkologe Hawliczek soll die vom ihm und seinen Kollegen vergangenes Jahr gestartete Datenerhebung bezüglich der Wartezeiten von Patienten in Wien und Niederösterreich vorerst weiterführen.

apa.at

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