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APA-Artikel 24. April 2014

Ethik und Impfen - Bioethikkommission eröffnet grundsätzliche Debatte

"Diese Diskussion über die Ethik des Impfens ist im deutschsprachigen Raum bis dato noch nicht geführt worden. Umso dringender ist es, sich angesichts rückläufiger Durchimpfungsraten damit zu befassen. Die heutige Veranstaltung soll dafür der Auftakt sein", eröffnete Christiane Druml, die Vorsitzende der Bioethik-Kommission die Tagung "Ethik und Impfen" im Bundeskanzleramt.

Die Keynotes hielt Urban Wiesing, Vorstand des Institutes für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Tübingen, im Anschluss diskutierten mit ihm Primaria Ursula Köller, Leiterin des Institutes für Labormedizin und Infektionsdiagnostik am Rosenhügel und Mitglied der Bioethikkommission, Primarius Karl Zwiauer, Facharzt für Kinder und Jugendheilkunde und Mitglied im nationalen Impfgremium, Kinder- und Schulärztin Elisabeth Frank und Bernhard Propper, Vater eines an den Folgen der Masern verstorbenen Jugendlichen.

Gesundheitsminister Alois Stöger bekräftige in seiner Begrüßung die Bedeutung dieser Diskussion: "Die Politik muss sicherstellen, dass diese Debatte geführt wird. Nicht zuletzt, um die optimale Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. In der modernen Industriegesellschaft hat das Impfen schon viel Schutz gebracht. Wir sind froh, dass wir Impfungen kostenlos anbieten können. Wir haben aber auch Verantwortung für jene Personen, die nur erschwert Zugang zu medizinischer Vorsorge finden, und müssen auch jene schützen, die besonders anfällig für Infektionen sind."

Professor Wiesing, Philosoph und Arzt machte klar: "Wir haben das Nutzenpotential der Impfung nicht ausgeschöpft und in vielen Bereichen die mögliche Herdenimmunität noch nicht erreicht. Täglich sterben laut WHO bis zu 8000 Menschen einen vermeidbaren Tod. Nicht weil wir arm wären oder uns die Infrastruktur fehlte, meist ist es Desinteresse, eher seltener wegen grundsätzlicher Gegnerschaft, vielmehr, weil uns die konkrete Bedrohung fehlt." Die Menschen sähen nicht mehr, wie ihre ungeschützten Mitbürger einen sinnlosen Tod sterben würden. Viele zweifelten auch an der Wirksamkeit oder hätten andere Vorstellungen vom natürlichen Leben. Ein besonderer Interessenkonflikt entstehe, wenn Eltern über ihre Kinder entscheiden. Damit könnten diese Eltern - gegen ihre Absicht - ihren Kindern und der Gesellschaft schaden. Dennoch sprach sich Wiesing gegen einen generellen Impfzwang aus, der doch einen Eingriff in die Freiheitsrechte bedeute und nur dann zu erwägen sei, wenn das Ziel nicht auf andere Weise erreichbar sei. "Finnland hat gezeigt, dass die Herdenimmunität auch ohne Impfzwang zu erreichen ist." Die Politik müsse dazu voll auf Aufklärung und Anreizsysteme setzen: "Proaktives staatliches Handeln ist geboten."

In der Diskussion spiegelte sich das Spektrum der Meinungen: von der Skepsis gegen allzu viele Impfungen bis hin zur Verantwortung, die speziell Personen in Sozial- und Gesundheitsberufen gegenüber geschwächten und nicht geimpften Menschen hätten.

"Wir haben bereits eine Aufklärungskampagne zur Masernimpfung gestartet, als Auftakt für dieses zu Recht eingeforderte proaktive Handeln. Wir müssen klarmachen, dass Impfen nicht nur individuell nützt, sondern auch ein solidarischer Akt ist", sagte Pamela Rendi-Wagner, Sektionschefin im Gesundheitsministerium abschließend.

apa.at

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