zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 18. April 2014

Ärztekammerpräsident 2 - Für Verkürzung der Spitalsärzte-Arbeitszeit

Die von der EU vorgeschriebene Verkürzung der Arbeitszeit von Spitalsärzten von derzeit maximal 72 auf 48 Stunden unterstützt Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger. "Dem Grunde nach wollen wir uns diesem Ziel nähern", sagte er im APA-Interview.

Das werde zwar "nicht von heute auf morgen" zu erreichen sein, aber mittelfristig in etwa fünf Jahren, zeigte sich Wechselberger zuversichtlich. Seine Position sei dabei "sehr nahe" an jener von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ), der eine Arbeitsgruppe eingesetzt hat, um bis Mai eine Antwort an die EU zu formulieren. Ein Problem sieht Wechselberger dabei vor allem auf die Länder zukommen, weil sie zumindest teilweise die Zahl ihrer Spitalsärzte erhöhen müssen. Eine konkrete Zahl konnte er jedoch nicht nennen, weil dies von Spital zu Spital unterschiedlich sei. Wichtig ist dem Kammerpräsidenten aber auch, dass neben der Wochen- auch die maximale Tagesarbeitszeit reduziert wird. Sogenannte verlängerte Dienste sollten maximal 25 Stunden statt der derzeit möglichen 49 Stunden dauern dürfen.

Für die derzeit laufenden Verhandlungen über eine Reform der Ärzteausbildung hofft Wechselberger auf eine Einigung bis Jahresende. Er wolle "keinen Schnellschuss", es sei "keine Schande, sich das Jahr 2014 dafür Zeit zu nehmen". Immerhin gelte es über 40 Sonderfächer neu zu strukturieren. "Das ist ein Riesenprojekt." Hauptstreitpunkt ist nach wie vor die Lehrpraxis für die angehenden Allgemeinmediziner. Die Ärztekammer beharrt auf einem Jahr in einer Ordination, die von der öffentlichen Hand finanziert werden sollte. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) bietet nur ein halbes Jahr. Angesichts der relativ geringen Kosten von 15 Millionen Euro pro Jahr für ganz Österreich sollte das nach Ansicht Wechselbergers für Bund und Länder "keine Hexerei" sein.

In Sachen ELGA schlägt der Ärztekammerpräsident vergleichsweise sanft Töne an. Die Ärztekammer sei bemüht, alles zu unternehmen, dass die elektronische Gesundheitsakte funktioniere. Ihr Ziel sei es, sich in die verschiedenen Arbeitsgruppen einzubringen, damit der Datenschutz und die Qualität verbessert, die Anwendung für die Ärzte erleichtert, die Haftungsfragen gelöst werden und die Finanzierung stehe, damit die Ärzte nicht für ein ihnen verordnetes System auch noch zahlen müssen.

Die angekündigte Verfassungsklage der Wiener Kammer gegen ELGA unterstützt Wechselberger, zu dem zum Teil radikalen Protest des Hausärzteverbandes geht er aber deutlich auf Distanz. Als Interessensvertretung habe die Ärztekammer dafür Sorge zu tragen, dass ein beschlossenes Gesetz auch umgesetzt und zum Vorteil ihrer Mitglieder eingesetzt werden könne. Wenn nun eine kleine Fraktion "einen anderen Zugang hat, ist das in deren Vorstellung begründet", sagte Wechselberger.

Zu dem Anfang des Jahres gestartete bundesweite Mammografie-Programm zur Brustkrebs-Vorsorge bekennt sich der Ärztekammerpräsident grundsätzlich trotz der vor allem von Radiologen geäußerten Kritik. "Wir stehen hinter diesem Programm", sagte Wechselberger. Es sei ihm Rahmen eines Gesamtvertrages mit der Sozialversicherung vereinbart worden. Deshalb findet er es "wirklich schade", dass das Programm "nicht zum Laufen kommt". Den Grund dafür sieht er darin, dass es nicht ausreiche, den Frauen einen Brief zu schreiben, um sie zur Vorsorge zu motivieren. Man habe verkannt, dass viele Vorsorgeleistungen nur funktionieren, weil die Ärzte die Patienten im persönlichen Gespräch überzeugen.

Die nun vorgenommenen Verbesserungen mit einem Erinnerungsschreiben hält Wechselberger nur für einen "kleinen Schritt", von dem er sich aber keinen wesentlichen Erfolg erwartet. Notwendig wäre es seiner Ansicht nach, dass ein Vertrauensarzt eine Frau auch ohne zwingenden medizinischen Grund zur Untersuchung überweisen kann. Mit Start des Programm wurde die freie Zuweisung zur Mammografie abgeschafft und nur noch bei bestimmter medizinischer Indikation zugelassen.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben