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APA-Artikel 18. April 2014

Ärztekammerpräsident fordert für neue Primärversorgung mehr Mittel 1

Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger unterstütz das von der Politik und den Sozialversicherungen geplante neue Konzept der medizinischen Primärversorgung, verlangt dafür aber mehr finanzielle Mittel für den niedergelassenen Bereich. Im APA-Interview forderte Wechselberger die Sozialversicherung außerdem auf, ihr "Korsett" abzulegen und flexiblere Formen der Zusammenarbeit zuzulassen.

Mit der geplanten neuen Primärversorgung sollen die Patienten an ihrem Wohnort von einem Netzwerk von verschiedenen Therapeuten, Krankenschwestern, Pflegern und Sozialarbeitern betreute werden, in dem der Hausarzt eine zentrale Rolle spielt. Neben einer besseren Versorgung der Patienten ist vor allem eine Entlastung der Spitäler und der Ambulanzen das Ziel.

Wechselberger bezeichnete sich selbst als "glühenden Verfechter" einer Stärkung der Primärversorgung. Das sei ein "notwendiger und richtiger Prozess", der auch international laufe und schon 1978 von der WHO gefordert worden sei. Dem Ärztekammerpräsidenten geht es nun darum, keine neuen Strukturen oder Bürokratien zu schaffen, sondern bestehende Ressourcen zu stärken und zu vernetzen. Der Allgemeinmediziner müsse gemeinsam mit den bestehenden Therapeuten, Pflegekräften, sozialen Diensten und Fachärzten, die derzeit oft als Einzelkämpfer agieren, ein Netzwerk bilden und auch die Schnittstelle zu den Spitälern einfacher gestalten.

Wechselberger fordert dabei, dass alle diese Berufsgruppen Verträge mit der Sozialversicherung abschließen, in denen verbindlich festgelegt wird, welche Leistungen mit welcher Qualität zu welchem Preis angeboten werden. Darüber hinaus müssen nach Ansicht des Kammerpräsidenten aus mehr Vertragsarztstellen geschaffen werden, damit die Patienten auch am Abend und am Wochenende einen Ansprechpartner haben. Wechselberger hält in diesem Zusammenhang eine flexiblere Formen der Gruppenpraxen für notwendig. Ärzte sollten auch Partner in die Ordination holen oder andere Ärzte anstellen dürfen. Die von Hauptverbands-Chef Hans Jörg Schelling angesprochene Möglichkeit eines Vertrages für zwei Ärzte gebe es bereits. Allerdings dürfe bei einem solchen Vertragssharing der Umsatz derzeit nur maximal zehn Prozent höher als bei einer Einzelpraxis sein, andernfalls gebe es eine strenge Honorar-Degression, womit viele ärztliche Leistungen nicht mehr bezahlt würden, kritisierte Wechselberger.

Für den Ärztekammerpräsidenten ist klar, dass die neuen Strukturen nur mit mehr Geld funktionieren. Die Sozialversicherungen müssten diese Schranken beseitigen. Wenn man eine ärztliche Versorgung am Abend und am Wochenende wolle, müsse man es auch bezahlen. Auch er bekenne sich zur Stellenplanung und sei gegen einen "Wildwuchs" an Kassenärzten, betonte Wechselberger. Aber der jetzige Stellenplan sei für die neue medizinische Versorgung nicht geeignet. Wenn man den Patienten vom Spital in den niedergelassenen Bereich bringen wolle, müsse man auch die Mittel dort hin bringen. "Ein Mehr an Versorgern bedeutet ein Mehr an Kosten und die will ich nicht tragen. Das ist das Credo der Sozialversicherung seit 30 Jahren", kritisierte Wechselberger.

apa.at

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