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APA-Artikel 17. April 2014

Ärzte-Standort Kärnten ist in Gefahr

"Der Unmut über die Arbeitsbedingungen in den Kärntner Spitälern ist groß. Es ist dringend notwendig sie zu verbessern, denn sonst besteht die Gefahr, dass Mediziner abwandern bzw. offene Stellen nicht besetzt werden können", warnt der Präsident der Kärntner Ärztekammer Dr. Josef Huber.

Mit dem Sprecher der Spitalsärzte Dr. Ingo Kager präsentierte er heute den Verantwortlichen des Landes ein Reformpaket, das per Abstimmung von der überwiegenden Mehrheit der betroffenen Mediziner bestätigt wurde.

Die Kollegen fordern eine Arbeitszeitreform mit frei wählbarer Arbeitszeitobergrenze zwischen 48 oder 60 Stunden maximaler wöchentlicher Arbeitszeit sowie eine neue Gehaltsarchitektur mit Verschiebung zu Gunsten des Grundgehaltes: 48 Stunden Arbeit müssen wie 60 Stunden bezahlt werden. "Sie pochen auf eine ihrer Ausbildung entsprechende Entlohnung, auf die sie derzeit nur durch eine Flut an Überstunden kommen", erklärt Dr. Kager.

"Es muss für jeden frei wählbar sein, ob er bis zu 48 oder 60 Stunden pro Woche arbeitet", so Kager. Dazu gehöre auch, dass die Ärzte auf Teilzeitmodelle umsteigen können. "Das wäre vor allem für die stetig wachsende Zahl an Medizinerinnen wichtig", führt Kager aus. Gefordert wird auch ein Ende der Unsitte, dass junge Mediziner nur kurzfristige Verträge erhalten. Sie werden damit vielfach verunsichert, ob sie ihre mehrjährige Ausbildung am Stück absolvieren können. Vor allem für Ärztinnen ist diese Vorgangsweise untragbar, weil sie darum bangen müssen, ob ihr Vertrag nach einer Geburt weiterläuft. In dem Reformpaket enthalten sind auch Änderungen bei der Bewertung von Überstunden und deren Anrechnung für Urlaubszeiten.

Erfreulich ist, dass die Vorstellung der "Spitalsärzteinitiative 48/60" große Zustimmung bei Gesundheitslandesrätin Dr. Beate Prettner hervorgerufen hat. Nur eine gemeinsame Vorgehensweise von Land Kärnten und der Ärztekammer wird die Arbeitszeitproblematik, den drohenden Ärztemangel und damit die Versorgungsabsicherung einer tragfähigen Lösung zuführen.

"Kärnten muss seine Standort-Qualitäten für Ärzte überprüfen. Sonst werden die heimischen Krankenhäuser von dem drohenden Ärztemangel stark betroffen sein. Wie ernst man dieses Szenario nehmen muss, zeigt ein Blick auf die Statistik. Von 2005 bis 2012 ging die Zahl jener jungen Kärntner, die Medizin studieren, um 60 Prozent zurück. Von 1.172 im Jahr 2005 sank die Zahl 2012 um 688 auf 485", erklärt Dr. Huber. Und jeder dritte Absolvent gehe überdies ins Ausland. "Diese Zahlen zeigen, wie dringend notwendig es ist, den Arztberuf in Kärnten attraktiver zu machen", so Präsident Dr. Huber abschließend.

apa.at

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