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APA-Artikel 15. April 2014

Landau: "Ping-Pong-Spiel am Rücken sterbender Menschen muss ein Ende haben"

Österreich wird älter. Fast eineinhalb Millionen Menschen in diesem Land sind heute bereits über 65 Jahre alt. Knapp 80.000 Menschen sterben jedes Jahr. "Nicht nur das Thema Pflege ist von dieser Entwicklung betroffen, auch in den Bereichen Hospiz und Palliativmedizin stehen wir heute vor großen Herausforderungen", betonte Caritas Präsident Michael Landau bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Herbert Watzke, Präsident der österreichischen Palliativgesellschaft, und Harald Retschitzegger, dem ärztlichen Leiter der Caritas der Erzdiözese Wien, am Dienstag. "Klar ist: Jeder Sterbender ist ein Lebender bis zuletzt. Klar ist aber auch: In einer Zeit, in der etwa Belgien aktive Sterbehilfe bei Kindern legalisiert, trägt die Politik diesem Umstand noch viel zu wenig Rechnung", betonte Landau. "Menschen sollen nicht durch die Hand eines Anderen, sondern an der Hand eines Anderen sterben können. Doch in Österreich werden Menschen am Ende ihres Lebens noch immer vielfach im Stich gelassen - Kinder, die von lebensbedrohlichen Krankheiten betroffen sind ebenso wie ältere Menschen. Noch immer ist die Hospiz- und Palliativversorgung - ob Zuhause, im Spital oder im Pflegewohnhaus - für längst nicht alle Menschen erreichbar, zugänglich und leistbar. Und noch immer bleibt die Politik die Erreichung jener Ziele schuldig, die sie sich vor zehn Jahren selbst gesteckt hat."

"Anzahl der Hospizbetten muss verdoppelt werden" Konkret kritisiert die Caritas, dass es in Österreich bis heute weder genug Palliativbetten, noch eine ausreichende Zahl an Betten im Hospizbereich gibt. Auch die Zahl der mobilen Dienste hat noch immer nicht jenes Niveau erreicht, das erforderlich wäre. "Und während es in Deutschland heute knapp 200 stationäre Hospize gibt, gibt es in Österreich lediglich zwei Hospizhäuser und sieben Hospizstationen in Pflegeheimen", so Landau. "Die Anzahl der Hospizbetten in Österreich muss verdoppelt werden! Die Nachfrage nach einer Begleitung am Ende des Lebens übersteigt das Angebot bei weitem. Wir heilen gebrochene Arme, geben unser Bestes, um den Krebs zu besiegen, aber im Tod und im Sterben lassen wir die Menschen alleine. Das ist nichts, worauf man stolz sein kann."

Ausbau und Finanzierung sowie Rechtsanspruch gefordert Die Caritas und die österreichische Palliativgesellschaft fordern daher: "Einrichtungen der abgestuften Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich müssen ausgebaut werden. Und klar ist auch, dass diese Angebote vollständig durch die öffentliche Hand finanziert werden müssen. Das Ping-Pong-Spiel zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherungsträgern am Rücken sterbender Menschen muss ein Ende haben!" Und so Landau weiter: "Die BürgerInnen dieses Landes sollen einen Rechtsanspruch auf Betreuung durch Hospiz- und Palliativeinrichtungen haben - verankert in einer gemeinsamen Finanzierung von Bund, Ländern und Sozialversicherungen. Wir brauchen eine gelebte Hospiz- und Palliativkultur im ganzen Land!"

Herbert Watzke, Palliativmediziner am AKH und Präsident der österreichischen Palliativgesellschaft, ergänzt: "Die aktuelle Sterbehilfe-Diskussion geht in eine völlig falsche Richtung. Neben den bereits genannten Punkten wird es zentral sein, Palliativmedizin endlich verstärkt in der Ärzteausbildung zu verankern. Wir brauchen Fachärzte, die Sterbende menschenwürdig begleiten können. Sehr wichtig wird es auch sein, die Bevölkerung weit besser über die Möglichkeiten der Patientenverfügung und der Pflegevorsorgevollmacht aufzuklären und zu informieren. Viel zu wenig Menschen wissen darüber Bescheid und das ist mit ein Grund, warum auch irrationale Ängste die Debatte begleiten."

Seit 25 Jahren an der Seite sterbender Menschen Die Caritas der Erzdiözese Wien ist seit 25 Jahren im Bereich mobiles Hospiz tätig. In dieser Zeit wurden knapp 22.000 Menschen kostenlos vor allem von ÄrztInnen, Pflegepersonen und freiwilligen MitarbeiterInnen Zuhause betreut. Allein im Vorjahr begleiteten 278 MitarbeiterInnen - 221 davon freiwillig und 57 hauptamtlich - 2041 Menschen auf dem letzten Lebensweg. Ohne den Einsatz so vieler Freiwilliger und ohne die Unterstützung durch SpenderInnen wäre diese Arbeit nicht möglich.

Spenden unter www.caritashospiz.at  
PSK Kto. 7.700.004 / BLZ 60000 BIC: OPSKATWW IBAN: AT 926 0000 0000 7700 004
Erste Bank Kto. 012.34560 / BLZ 20111 BIC: GIBAATWWXXX IBAN: AT 23 2011 1000 0123 4560
Kennwort: Caritas Mobiles Hospiz

 

apa.at

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