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APA-Artikel 10. April 2014

Ärzte-Arbeitszeiten: Ärztekammer hofft auf baldige Reduzierung

Die Ärztekammer hat sich über die (auf Druck der EU angepeilte) Reduzierung der Arbeitszeit von Spitalsärzten erfreut gezeigt. Die vorrangigste Forderung der Kammer ist die Reduzierung der durchgehenden Dienste auf maximal 25 Stunden, sagte Karlheinz Kornhäusl, stellvertretender Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte am Donnerstag im Gespräch mit der APA.

Einerseits sei es natürlich erfreulich, dass die EU tätig wird - andererseits aber für Österreich ein "Armutszeugnis", dass das überhaupt notwendig ist, so der Obmann. Denn hier sei man schon "seit Jahren" säumig.

Dass derzeit (an Wochenende) bis zu 49 Stunden Dienst am Stück in Österreich möglich sind, sei "in Zeiten wie heute nicht mehr haltbar", sagte Kornhäusl. "Das ist dem einzelnen Arzt nicht zumutbar" - und widerspreche auch der Patientensicherheit. Ärzte haben jahrelang über ihre persönliche Grenzen hinausgehen müssen, um das System aufrecht zu erhalten, so Kornhäusl. Der Wunsch nach maximal 25 Stunden Dienst sei ja eine langjährige Forderung der Standesvertretung.

Dass es in Österreich derart überlange Dienste überhaupt gibt, sei auf geschichtlich gewachsene Strukturen zurückzuführen. Es hänge aber auch mit dem vergleichsweise niedrigen Grundgehalt der Spitalsärzte zusammen, merkte Kornhäusl an. Die langen Überstunden würden eine Möglichkeit des Dazuverdienens darstellen. Daher werde man auch über die Grundgehälter "reden müssen", sagte der stellvertretende Kurienobmann.

Wie Hundstorfer wollte sich auch Kornhäusl auf keinen Zeitraum festlegen, innerhalb dem die Reduzierung auf die von der EU vorgegebenen 48 Stunden Wochenarbeitszeit erreicht werden soll. Klar sei, dass es geltende Richtlinien der EU gibt, und die sollten eben umgesetzt werden. Die Ärztekammer werde jedenfalls "konstruktiv" an einer Lösung mitarbeiten.

Der Spitalsärzte-Vertreter merkte an, dass man mittlerweile kaum noch junge Ärzte in Österreich finde - "mittlerweile gibt es einen Turnusärztemangel in Wien". "Das heißt, es ist nicht 5 vor 12, sondern 5 nach 12", sagte er. Alleine in Deutschland würden cirka 2.500 österreichische Ärzte arbeiten - die Bedingungen seien dort besser.

Kornhäusl nannte drei Gründe für den Ärztemangel: Erstens würde im Ausland die Ausbildung eine bessere sein, die angehenden Ärzte hätten "mehr Zeit mit und am Patienten" (statt arztfremde Tätigkeiten und Bürokratie-Aufgaben zu erledigen). Außerdem würden die dort herrschenden Arbeitszeitregelungen für eine bessere "Work-Life-Balance" sorgen. Und letztlich würden die Ärzte in Deutschland oder auch in der Schweiz besser bezahlt als in Österreich. "Über Gehalt wird daher auch reden dürfen und müssen", so Kornhäusl. "Die Grundgehälter müssen angehoben werden."

Man könne auch über die Zugangsregeln zum Medizinstudium diskutieren. Allerdings nütze es nichts, noch so viele Ärzte auszubilden: "Wenn die Arbeitsbedingungen im Land nicht passen, werden auch diese weggehen."

apa.at

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