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APA-Artikel 10. April 2014

Strahlentherapie: Aufzeichnungen belegen Wartezeiten

Zumindest für Wien, Niederösterreich und das Burgenland dürften die gesundheitspolitischen Verantwortlichen nicht erklären, dass es in der Strahlentherapie bei Krebspatienten keine Engpässe gibt. Der APA liegen die Wartezeiten für das dritte und vierte Quartal 2013 aus sieben Krankenhäusern in Wien und Niederösterreich vor. Sie betragen zum Teil mehr als zwei Monate.

Die Daten "Wartezeit Anmeldung bis Beginn Strahlentherapie Jun - Sep und Okt - Dez 2013 (Kalendertage)" - so der Originaltitel der Folien - beruhen auf den Aufzeichnungen der Strahlenabteilungen in den sieben Krankenhäusern in Wien und Niederösterreich mit solchen Departments und installierten Linearbeschleunigern zur Krebstherapie (burgenländische Patienten werden in Wiener Neustadt betreut). Die Darstellungen stammen aus zwei Quellen und decken sich miteinander.

Hier ein Ausschnitt aus den Daten. Die Bandbreiten sind zum Teil recht groß: So lagen die längsten Wartezeiten im dritten Quartal 2013 für Brustkrebspatientinnen bei rund 65 Tagen. Im vierten Quartel war dieser Spitzenwert einer Klinik etwas geringer. Die kürzeste Wartezeit lag jeweils bei etwa 25 Tagen. Ähnlich gravierend sind offenbar die Wartezeiten für Prostatakarzinompatienten: Die längsten wurden im dritten und vierten Quartal 2013 in zwei der Abteilungen mit ebenfalls mehr als 65 bzw. sogar mehr als 70 Tagen registriert. Die Mindestwartezeit betrug immer noch rund 35 Tage.

Bei bösartigen Tumorerkrankungen des Gastrointestinaltrakts lag die längste Wartezeit im dritten Quartal 2013 bei knapp unter einem Monat, im vierten Quartal bei um die drei Wochen. Deutlich höhere Werte mit Höchstzahlen um die 40 Tage wurden bei Patienten mit HNO-Tumoren verzeichnet, in allen Abteilungen jedenfalls mehr als drei Wochen.

Am 25. April soll es zu einem Gespräch zwischen Vertretern des Bundes, der Bundesländer und von Patientenanwälten kommen. Dabei will man versuchen, die Zahlen außer Streit zu stellen, um dann eventuell eine weitere Vorgangsweise zu beraten.

An sich müssten die Verantwortlichen zumindest seit Anfang 2013 von der im Europa-Vergleich schlechten Position Österreichs bei der Strahlentherapie bescheid wissen. Im Jänner vergangenen Jahres wurde in "Lancet Oncology" eine entsprechende unabhängige Vergleichsstudie publiziert. "Es gibt einen offenkundigen Mangel an Strahlentherapiegeräten in Deutschland, Italien, Österreich, Portugal, Großbritannien und die meisten Staaten Ost- und Südosteuropas (speziell Bulgarien, Mazedonien und Rumänien) sind mangelhaft ausgerüstet", schrieben die Autoren der Studie wenige Tage vor dem Welt-Krebs-Tag (4. Februar) auf der Basis der Daten der Vereinigung der Radiotherapie-Zentren (DIRAC) mit Erstautor Eduardo Rosenblatt von der Internationalen Atomenergieagentur (IAEO) in Wien.

In den damals 27 EU-Staaten, in Kroatien, Mazedonien, der Türkei, Island, Norwegen und der Schweiz stehen laut der Daten im Durchschnitt 5,3 Megavolt-Strahlen-Teletherapiegeräte pro Million Einwohner zur Verfügung. In Österreich sind es 5,1 pro Million Einwohner, also unterdurchschnittlich viele. In Deutschland, Italien und Frankreich sind es beispielsweise 6,5 (pro Millionen Einwohner, in Belgien 8,7, in Finnland 8,3, in Dänemark gar 9,7, in Schweden 8,2).

In Österreich sterben Krebspatienten, weil die notwendigen Kapazitäten für eine Strahlentherapie fehlen. Statt mindestens 60 notwendigen Geräten, existieren nur 43, hieß es erst vor wenigen Tagen bei einer Pressekonferenz aus Anlass des Europäischen Radio-Onkologenkogresses (ESTRO) in Wien. "Wir verlieren Menschenleben. Jeder Tag, den wir (bei Krebspatienten; Anm.) verlieren, bedeutet schlechtere Überlebenszeiten", hatte beispielsweise der Wiener Strahlentherapeut Robert Hawliczek (SMZ-Ost) erklärt.

An der MedUni Wien setzt man den Verlust an Heilungschancen beispielsweise bei HNO-Tumoren (Lokalrezidive) bei vier Wochen Wartezeit bei vier bis sechs Prozent an. Das vernichte den Effekt, den man mit der neuesten Radio-Chemotherapie versus alleiniger Strahlenbehandlung erzielen könne, hieß es dort. Die steirische KAGes hat bisher Engpässe bei der Strahlentherapie dementiert, obwohl die steirische Expertin und Präsidentin der österreichischen Radio-Onkologie-Fachgesellschaft (ÖGRO) von einer besonders schlechten Situation in ihrem Bundesland gesprochen hatte. Österreich sollte laut den eigenen Planungen mindestens etwa 60 Linearbeschleuniger haben, wenn nicht sogar mehr als 80.

apa.at

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