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APA-Artikel 2. April 2014

Zentrale Anforderung an die Gesundheitsreform: Nicht nur reden, sondern endlich die Landmedizin stärken

"1.500 der knapp 2.400 Gemeinden in Österreich haben weniger als 2.000 Einwohner", so MR Dr. Dietmar Baumgartner, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte der NÖ Ärztekammer. "Bei allem Respekt vor den Verhandlern der Gesundheitsreform: Wer glaubt, er könne die bestehenden Probleme in diesen Gemeinden mit "multidisziplinären Versorgungszentren" und einer "Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft" lösen, der wird sich irren. Unsere Sorgen ließen sich mit einem guten Zugang der Menschen zu wohnortnaher Basisversorgung lösen, und das sind nun einmal die Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag."

In diesen Tagen liest man von Zielsteuerungskommissionen und von neuen Modellen, gestützt durch Umfragen, was die Bevölkerung will. "Natürlich erntet man 90 Prozent Zustimmung, wenn man die Menschen fragt, ob mehrere Fachrichtungen samt Labor und Apotheke an einem Ort eine gute Sache wären", so Dr. Baumgartner weiter. "Aber wenn man sie nach der Wichtigkeit des Hausarztes und der persönlichen Bindung zu ihm fragt, dann erreicht man ein ähnliches Ergebnis. Tatsache ist, dass Versorgungszentren rein praktisch in Wohnortnähe nur für einen Bruchteil der Bevölkerung machbar sind und daher für eine flächendeckende Versorgung nicht praktikabel."

Zwtl.: Bevölkerung wünscht sich wohnortnahe Basisversorgung durch Hausärzte

"Wenn man die Menschen jedoch entscheiden lässt, was ihnen wichtiger ist und auch klarmacht, dass nicht alles gleichzeitig geht, dann kommt man zu einem ganz anderen Ergebnis", so Dr. Max Wudy, stellvertretender Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in Niederösterreich. Die NÖ Ärztekammer hat rund 1.000 Patientinnen und Patienten über ihre Ansichten zur Primärversorgung unter dem Blickwinkel des Best Point of Service befragt. Ziel der Umfrage war es, valide Daten über die Bedürfnisse unter realistischen Annahmen zu bekommen. Dr. Wudy fasst zusammen: "Es ist eindeutig: Die Bevölkerung in Niederösterreich über alle Altersgruppen in allen Gemeindegrößen wünscht sich ein wohnortnahes Basisversorgungsmodell mit freiberuflichen, niedergelassenen Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmedizinern, mit eigener und freier Auswahl durch die Patientinnen und Patienten."

Die Ärztinnen und Ärzte sollen im Rahmen eines "Vertrauensarztmodells" arbeiten und alle Belange rund um die Grundversorgung inklusive Visiten abdecken. "Damit verbunden ist auch der Überblick über sämtliche Befunde und die Medikation, was im Umkehrschluss die Einführung der elektronischen Gesundheitsakte in Frage stellt", so Dr. Wudy weiter. Der Wunsch nach einer Abgabemöglichkeit für rezeptpflichtige Medikamente durch Ärztinnen und Arzte ist vorhanden, sogar überproportional ausgeprägt bei der jüngeren Generation. "Ein Bedürfnis nach Versorgungszentren oder erweiterten Öffnungszeiten in Einzelpraxen lässt sich aus diesem Ergebnis nicht ableiten", zeigt sich Dr. Wudy überzeugt, wird doch gerade dieser Punkt sehr oft als zentraler Wunsch der Bevölkerung dargestellt.

Zwtl.: Keine neuen Primary-Health-Care-Modelle notwendig, sondern neue Leistungskataloge in den Ordinationen

Aus Sicht von Dr. Martina Hasenhündl, ebenfalls Kurienobmann-Stellvertreterin, braucht man jedenfalls keine neuen Primary-Health-Care-Modelle zur Entlastung der Ambulanzen und zur Verbesserung der Primärversorgung. "Wenn unsere Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner speziell am Land wieder ohne Behinderung durch Gesundheitsbürokraten allgemeinmedizinische Tätigkeit durchführen dürften und nicht durch den Leistungskatalog daran gehindert würden, dann würden sich die bestehenden Probleme von alleine lösen."

Was bräuchte man dafür? "Nicht nur leere Worthülsen der Politiker, sondern den Mut, einmal das zentrale Problem der Finanzierung aus einer Hand anzugehen. Parallel dazu moderne, der Entwicklung der Medizin und der Erwartung der Menschen angepasste Leistungskataloge, die es wieder attraktiv machen, in die ärztliche Praxis zu gehen", so Dr. Hasenhündl weiter. Geld genug scheint ja vorhanden zu sein. "Wir haben nichts von den Prestigeprojekten der Politiker in Bund und den Ländern. Wie beispielsweise ELGA, die keinen Nutzen für die medizinische Versorgung bringt und nur Geld kostet. Oder die Meduni in Linz , die 100 Millionen Euro pro Jahr kostet und zwei Handvoll Absolventen bringt, die in Österreich bleiben. Mit dem gleichen Geld könnte man alle Kassenordinationen für Allgemeinmedizin so finanzieren, dass sie zu einer massiven Entlastung der Spitalsambulanzen beitragen könnten. Und die drohenden Versorgungsprobleme in ländlichen Regionen wären über Nacht gelöst."

apa.at

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