zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 31. März 2014

Rasinger: Jede österreichische Gemeinde soll hausärztliche Versorgung haben

Die ÖVP hat sich im gemeinsamen Regierungsprogramm nachdrücklich für den Hausarzt als erste Anlaufstelle im Gesundheitssystem eingesetzt. "Jegliche Versuche, den Hausarzt durch primäre Versorgungsteams zu ersetzen und seine Verantwortung unklar zu gestalten, werden von uns nicht unterstützt. Wir sind für eine Zusammenarbeit aller Berufsgruppen im Gesundheitssystem. Eine zwanghafte Gleichmacherei kann zwischen Ärzten, Krankenschwestern und Ordinationsassistentinnen schon allein wegen der unterschiedlichen Ausbildungen nicht funktionieren. Best practice-Modelle sollen möglich sein, allerdings müssen sie nach einigen Jahren auf Wirksamkeit evaluiert und nicht zwanghaft verordnet werden", erklärte ÖVP-Gesundheitssprecher Abg. Dr. Erwin Rasinger heute, Montag, dazu.

"Für die ÖVP ist der Hausarzt erste Anlaufstelle, weil er seine Patienten am besten kennt, diese - vor allem ältere chronisch Kranke - über Jahre hinweg betreuen kann und auch die Prävention organisiert. Die persönliche Zuwendung soll im Gesundheitswesen aufgewertet werden", so Rasinger. Damit der Hausarzt seiner Funktion nachkommen könne bzw. dass junge Leute diesen Beruf überhaupt ergreifen, seien laut dem ÖVP-Gesundheitssprecher dringend Maßnahmen notwendig. Konkret führt Rasinger Folgendes an:

1. Verbesserung der Ausbildung: Das praktische Jahr an der Uni, die Ausbildungsprobleme im Turnus und die oft nicht vorhandenen Lehrpraxen seien hier Hauptproblemfelder. 2. Reduktion der bürokratischen Hindernisse wie eine oft unsinnige Chefarztpflicht (billige Pilz- bzw. Migränemittel müssen häufig bewilligt werden). Oft würde es einer besseren Unterstützung seitens der Sozialämter und Krankenkassen bedürfen, damit Schwerkranke zu ihren Leistungen kommen. Hier wären beispielsweise Case Manager bei der Krankenkassa sinnvoll. 3. Das Leistungsspektrum der Hausärzte sei oft unattraktiv. "In Wien ist es z.B. nicht möglich, Lungenfunktion, ein Notfall-Labor oder ärztliche Gespräche über 18 Prozent der Scheinzahl abzurechen", erklärt Rasinger. 4. Der Honorarunterschied von etwa 40 Prozent zwischen Hausärzten und Fachärzten mache für junge Leute den Beruf nicht gerade attraktiv. 5. Neue Praxisformen wie Gruppenpraxen, Teilung von Kassenverträgen, Übergabepraxen bei Pensionierung oder Zweitordinationen in entlegenen Gebieten würden für den immer weiblicher werdenden Beruf des Hausarztes immer wichtiger.

"Es ist fünf vor zwölf, diesen Beruf in Österreich für junge Kollegen im Spital wieder attraktiv zu machen. Rund um Österreich - wie in Deutschland oder der Schweiz - bemüht man sich massiv, den Hausarzt aufzuwerten." In der Schweiz finde am 18. Mai sogar eine Volksabstimmung mit dem Titel "Ja zur Hausarztmedizin" mit dem Ziel der Aufwertung des Hausarztes und Verankerung in der Schweizerischen Verfassung statt. Dies sei völlig konträr zu den USA, wo nicht einmal jeder achte Medizinstudent diesen schönen Beruf ergreifen will.

Rasinger weiter: "Hausarzt ist ein schöner Beruf und mit großer Dankbarkeit der Patienten verbunden. Ich bin seit 30 Jahren Hausarzt und habe es nicht bereut. Die dramatische Abwendung der jungen Kollegen von diesem Beruf muss gestoppt werden. Hier ist der Minister klar gefordert, ansonsten zerbröselt seine Gesundheitsreform. Ziel muss es sein, in allen österreichischen Gemeinden eine hausärztliche Versorgung sicherzustellen. Wir wollen kein Hausarztsterben in den ländlichen Regionen durch Konzentrationsprozesse auf Zentren. Wir wollen die Patienten auch möglichst lang in den eigenen vier Wänden betreuen, um so die Spitäler zu entlasten." Ziel für die ÖVP sei es auch, die freie Arztwahl, die freie Niederlassung und die freie Therapiewahl hochzuhalten. 

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben