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APA-Artikel 31. März 2014

Mehr Kontrollmöglichkeiten für weniger Antibiotika

Ab Dienstag müssen Landwirte und Tierärzte noch genauer belegen, wann sie Tieren Antibiotika verabreichen. Am 1. April tritt das neue Arzneimittelgesetz in Kraft. Der Bundestag hatte die Novelle bereits im Jahr 2012 verabschiedet. Im Bundesrat gab es nach Verhandlungen im Vermittlungsausschuss erst im vergangenen Juli grünes Licht.

Was soll das Gesetz bewirken?

Mit dem Arzneimittelgesetz soll vor allem der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung reduziert werden. Deshalb müssen Mastbetriebe und Tierärzte nun umfassender dokumentieren, welche Medikamente sie den Tieren verabreichen. Mastbetriebe, die mit ihrem Antibiotikaeinsatz deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegen, müssen dann einen Plan erstellen, wie sie den Einsatz verringern wollen. Die Behörden können nun auch anordnen, dass ein Betrieb die Haltung oder Fütterung seiner Tiere umstellen muss, wenn er zu viele Medikamente verabreicht. Mästern kann sogar für bis zu drei Jahre die Betriebserlaubnis entzogen werden, wenn sie zu viel Medikamente einsetzen.

Warum sollte der Gebrauch von Antibiotika reduziert werden?

Antibiotika töten Bakterien, sind also nicht nur bei Krankheiten von Menschen sinnvoll. Auch bei Tieren wirken die Medikamente. Problematisch ist es aber, wenn Antibiotika zu häufig eingesetzt werden. Dann bilden Bakterien immer mehr Stämme, denen die Medikamente nichts mehr anhaben, sogenannte Resistenzen. Kritiker führen die starke Ausbreitung von multiresistenten Bakterien auch auf den zu häufigen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung zurück. Insbesondere Krankenhäuser haben verstärkt Probleme mit solchen Keimen, die schwer behandelbare Erkrankungen besonders bei älteren und geschwächten Menschen auslösen können.

Was sagen Verbraucherschützer zu dem Gesetz?

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert, dass es mit dem Gesetz keine klare Ansage gibt, auf welchen Wert der Antibiotikaeinsatz abgesenkt werden soll. Zudem sieht der BUND kritisch, dass die Behörden nur bei Betrieben mit vergleichbar hohem Medikamentenverbrauch eingreifen können. Da aber 90 Prozent der Geflügelbetriebe bereits regelmäßig Antibiotika einsetzten, sei hier der Durchschnitt schon so hoch, dass dies nur für einen Bruchteil der Betriebe Folgen haben werde.

Wie häufig werden Antibiotika in der Tiermast eingesetzt?

Genau ist das nicht bekannt. Erstmals erhoben wurde 2011 zunächst die Menge: Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurden 1734 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben. Nach Angaben des BUND und des Ökologischen Ärztebundes werden in der Intensivtierhaltung derzeit über 40 Mal mehr Antibiotika eingesetzt als in deutschen Krankenhäusern.

Werden in Bio-Betrieben auch Antibiotika eingesetzt?

Ja, aber der Einsatz ist wesentlich stärker eingeschränkt. Zudem sind Tiere in Bio-Haltung zumeist weniger Stress und Keimen ausgesetzt, da sie mehr Platz haben. Die Stiftung Warentest fand im September bei einem Test aber auch in einem von fünf Bio-Hähnchenschenkeln antibiotikaresistente Keime. Allerdings waren von den 20 Hähnchenschenkeln aus konventioneller Haltung zwölf Proben mit antibiotikaresistenten Keimen belastet.

apa.at

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