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APA-Artikel 26. März 2014

Gesundheit: Ärztekammer propagiert Hausarztmodell für Grundversorgung

Im Zuge der Gesundheitsreform soll in Österreich eine neue medizinische Primärversorgung geschaffen werden. Bis Mitte des Jahres soll dazu ein Konzept erarbeitet werden. Im Rahmen der Bundesgesundheitskonferenz werden am kommenden Montag alle relevanten Player des Systems dazu ihre Vorstellungen diskutieren. Die Ärztekammer hat bereits am Mittwoch ihr Hausarztmodell dafür propagiert.

Mit dem angestrebten Konzept der multiprofessionellen und interdisziplinären Primärversorgung sollen die Patienten an ihrem Wohnort möglichst umfassend betreut werden, ohne gleich einen Facharzt, eine Ambulanz oder ein Spital für Routinefälle aufzusuchen.

Die Ärztekammer bietet dafür ihr Hausarztmodell an. Wie der Obmann der niedergelassenen Ärzte, Johannes Steinhart, und der Chef der Allgemeinmediziner, Gert Wiegele, dazu am Mittwoch in einer Pressekonferenz erläuterten, soll der Patient demnach mit Ausnahme von Notfällen beim Haus- oder Vertrauensarzt in das System einsteigen. Dieser behandelt die Patienten entweder gleich selbst oder weist sie, wenn nötig an einen Facharzt oder ein Spital weiter. Die Teilnahme soll für die Patienten freiwillig mittels Opt-In erfolgen, als Anreiz kann sich Wiegele jedoch niedrigere Rezeptgebühren oder Sozialversicherungsbeiträge oder ein Erlassen der E-Card-Gebühr vorstellen. Die Registrierung erfolgt auf der E-Card, der Hausarzt sammelt alle Befunde des Patienten.

Steinhart und Wiegele betonten, dass dazu die Rahmenbedingungen für die niedergelassenen Ärzte verbessert und die Stellung des Hausarztes gestärkt werden müssten. Sie bekräftigten die Forderung nach einer Ausweitung der Kassenstellen und verwiesen darauf, dass die Zahl der niedergelassenen Ärzte mit Kassenvertrag von 8.491 im Jahr 2000 auf heute nur noch 7.041 gesunken sei. Zudem gebe es derzeit für bestimmte medizinische Leistungen der Ärzte Deckelungen, die Bezahlung des ärztlichen Gesprächs sei etwa auf 18 Prozent der Fälle limitiert. Weiters verlangten die Ärztekammer-Vertreter eine Erleichterung für die Errichtung von Gruppenpraxen und mehr Geld für den niedergelassenen Bereich, in den derzeit nur 15 Prozent alle Gesundheitsausgaben fließen.

Im Gegensatz zu diesem Hausarztmodell favorisiert der Hauptverband der Sozialversicherungsträger ein sogenanntes "Primary Health Care"-Modell, in dem die Primärversorgung über regionale Teams erfolgt, wo der Hausarzt eine wichtige Rolle spielt. Er soll hier aber in einem Netzwerk mit Diplomkrankschwestern, verschiedenen Therapeuten und Sozialarbeitern agieren. Einen Ansprechpartner soll es für die Patienten rund um die Uhr geben. In einem Pilotprojekt in Enns wird das Konzept derzeit bereits in der Praxis getestet.

Steinhart und Wiegele erklärten dazu in der Pressekonferenz, dass sei zwar die Diskussion begrüßen, ihrer Ansicht nach müsse man aber nicht "das Rad neu erfinden". Sie wandten sich dagegen, eine neue Versorgungsebene einzuziehen oder anonyme Versorgungszentren zu errichten, die auch die Patienten nicht wollten. Stattdessen solle man auf das gute österreichische Modell setzen und dieses weiterentwickeln. Wiegele verwies darauf, dass er als Kärntner Landarzt schon jetzt mit anderen Gesundheitsberufen zusammenarbeite. Allerdings fehle es am Land of an Partnern wie etwa Physiotherapeuten. Hier müsse man ansetzen.

apa.at

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