zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 26. März 2014

D: Gesundheitsökonom: "Millionen Versicherte dürften entlastet werden"

Die Koalition macht Ernst mit einer neuen Reform der Krankenversicherung. Das Kabinett will die Änderungen an diesem Mittwoch auf den Weg bringen - sie werden bald spürbar sein.

Der Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung soll auf 14,6 Prozent sinken. Der bisherige Sonderbeitrag von 0,9 Prozent soll den Versicherten erspart werden. Dafür müssen sie aber prozentuale Zusatzbeiträge zahlen. Wie wirkt sich die schwarz-rote Reform der Kassen-Finanzen aus? Der Essener Gesundheitsökonom Jürgen Wasem erläutert im dpa-Interview, was auf die Versicherten zukommt.

Frage: Was wird zum Reformstart am unmittelbarsten spürbar?

Antwort: Mehrere Millionen Versicherte dürften entlastet werden. Sie sind Mitglied einer Kasse, bei der die Senkung des Beitragssatzes um 0,9 Prozent größer ist als der jeweilige Zusatzbeitrag. Es dürfte mindestens eine halbe Millionen Versicherte geben, die einen halben Prozentpunkt weniger zahlen müssen als heute. Bei vielen wird sich nichts ändern - der Zusatzbeitrag wird in der Höhe des heutigen Sonderbeitrags liegen. Und es wird auch Kassen geben, bei denen es zu einer Nettobelastung kommt. Das hängt davon ab, wie groß das Defizit einer Kasse aus den laufenden Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds ist und wie groß ihre Rücklagen sind. Aber im Schnitt dürfte der Zusatzbeitrag 2015 unter 0,9 Prozent liegen - somit werden die Versicherten im Durchschnitt erst einmal entlastet.

Frage: Wie geht es in den kommenden Jahren weiter?

Antwort: Das ist schwer zu beurteilen. Denn die Bundesregierung will bei ihrer Krankenhausreform Geld in die Hand nehmen, aber wieviel, weiß man noch nicht. Also lässt sich die genaue Höhe des Ausgabenanstiegs schwer einschätzen. Unklar ist zum Beispiel auch, welche Sanktionen gegen Russland noch verhängt werden und wie sich das auf die Konjunktur auswirkt - und damit auf die Einnahmen der Krankenversicherung. Ich gehe davon aus, dass der Zusatzbeitrag ab 2016 im Schnitt jedes Jahr um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte steigen wird. Es wird auch einige Kassen geben, die zunächst noch 200 bis 300 Millionen Euro aus ihren Rücklagen pro Jahr einsetzen können. Für 2017 rechne ich mit Zusatzbeiträgen von 1,3 bis 1,5 Prozent.

Frage: Ist es ungerecht, dass die Arbeitnehmer alleine die künftigen Kostensteigerungen zahlen sollen?

Antwort: Der Arbeitgeberbeitrag wird zwar festgeschrieben. Ich glaube aber nicht, dass dies unterm Strich einen großen Unterschied für die Beschäftigten ausmacht. Denn ein fixierter Beitragssatz gibt den Unternehmen auf der anderen Seite mehr Spielraum in den Tarifverhandlungen. Allerdings sitzen die Arbeitgeber dann erst einmal am längeren Hebel.

Von Basil Wegener, dpa

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben