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APA-Artikel 25. März 2014

Gesundheitsreform soll Qualitätsschub bringen

Österreichs Patientinnen und Patienten können von der Gesundheitsreform einen massiven Qualitätsschub erwarten. Insbesondere gilt dies für den niedergelassenen Bereich, der nach dem international erprobten Modell von "Primary Healthcare" neu strukturiert werden soll. Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der österreichischen Patientenanwälte: "Der praktische Arzt soll in Zukunft im Rahmen eines Netzwerkes von Gesundheitsberufen bzw. Anbietern von Gesundheitsdienstleistungen agieren. Gemeinsam mit den in Umsetzung befindlichen medizinischen Internet- und Telefonservices soll dies nicht nur die ständige Erreichbarkeit, sondern vor allem eine durchgehende qualitativ hochwertige Behandlung und Betreuung sicherstellen."

Damit dieses Modell der neuen wohnortnahen Versorgung allerdings umgesetzt werden kann, müssen die Ärzte bzw. deren Interessenvertretung ihre Haltung zum Thema Qualitätssicherung und -kontrolle verändern. Denn, so die Kritik von Bachinger: "Aus der Sicht der Patientinnen und Patienten herrscht hier ein absolut unakzeptabler Zustand".

Für die Überprüfung und Sicherung der Qualität der ärztlichen Leistung im niedergelassenen Bereich ist die ÖQMed (Österreichische Gesellschaft für Qualitätssicherung & Qualitätsmanagement in der Medizin), eine 100prozentige Tochter der Österreichischen Ärztekammer, zuständig. Bachinger: "Bereits in der Vergangenheit wurden angesichts dieser Eigentumsverhältnisse immer wieder Zweifel an der Effektivität der Kontrolle der ÖQMed laut". Seit einigen Monaten ist allerdings klar, dass die ÖQMed, so Bachinger, "nur ein Potemkinsches Dorf" ist. Denn es gibt eine Weisung der ÖQMed an deren Prüfer, die ohnedies einer strengen Verschwiegenheitspflicht unterliegen, dass diese nicht mehr in die Krankengeschichten der Patienten Einsicht nehmen dürfen. Es kann also gar nicht wirklich überprüft werden, ob im Kernbereich der ärztlichen Tätigkeit - und nur diese ist für den Patienten ja von fundamentaler Bedeutung - qualitätvoll gearbeitet wird".

Mit einer Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle der ärztlichen Leistungen durch eine ÖQMed, die zu 100 Prozent im Eigentum und im Einfluss der Ärztekammer steht, ist es unmöglich den niedergelassenen Bereich zum Primary Healthcare/best point of service weiter zu entwickeln. "Denn um die Patientensicherheit und das Funktionieren des neuen Modells zu gewährleisten, benötigen wir eine echte Kontrolle der Qualität in den Struktur- und Behandlungsabläufen nach definierten und messbaren Kriterien", so Bachinger abschließend.

apa.at

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