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APA-Artikel 24. März 2014

Gefährliche Bilanz: Bis zu 70 Prozent weniger Teilnehmerinnen bei Brustkrebsvorsorge

"Die Probleme mit dem Brustkrebs-Vorsorgeprogramm lassen sich nicht kleinreden. Niedergelassene Radiologen aus dem Wiener Raum berichten, dass in den Monaten Jänner und Februar 2014 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres 40 bis 70 Prozent weniger Frauen zur Mammografie gekommen sind", so Johannes Steinhart, Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). "Aus den Bundesländern erhalten wir vergleichbar alarmierende Berichte. Das ist ein dramatischer Befund, und aus ärztlicher Sicht völlig inakzeptabel." Sollte sich dieser Trend nicht sehr bald umkehren lassen, müsse "das Brustkrebs-Programm im Interesse der Frauengesundheit radikal in Frage gestellt werden. Zum früheren, für Frauen offensichtlich weit besseren Zustand zurückzukehren, darf kein Tabu sein."

"Medizin ohne Ärzte" kann nicht funktionieren

Die bisherige Bilanz: Frauen, die zur Vorsorge gehen möchten und nicht zu den Eingeladenen zählen, wird es schwer gemacht, eine Mammografie zu bekommen. Und Frauen, die man mit dem neuen Einladungssystem erreichen möchte, kommen nicht, sagt Steinhart. Das Ziel so eines Programms könne doch unmöglich sein, dass am Ende weniger Brustkrebsvorsorge gemacht wird, und nicht mehr: "Hier müssen wir alle gemeinsam an Verbesserungen im Interesse der betroffenen Frauen arbeiten. Wir Ärztinnen und Ärzte bringen uns gerne ein."

Die Ärztekammer hat einer verbreiterten Einladung von Frauen ursprünglich zugestimmt, aber man müsse jetzt zur Kenntnis nehmen, dass offensichtlich die Patientinnen dem ärztlichen Rat mehr folgen als einem Papier. Einmal mehr zeige sich, dass eine "Medizin ohne Ärzte" nicht funktioniert, sagt Steinhart. Ein anonymer Brief der Kassenbürokratie kann eben das ärztliche Beratungsgespräch nicht ersetzen. Es ist höchste Zeit, dass Ärztinnen und Ärzte wieder zu einer Vorsorgemammografie überweisen dürfen.

Patientenanwalt Bachinger "hat Beruf verfehlt"

Als "hochgradig bedenklich" bezeichnet Steinhart eine Stellungnahme des Patientenanwaltes Gerald Bachinger, der kürzlich angesichts der breiten Kritik an den sehr unbefriedigenden Zwischenergebnissen des Brustkrebs-Früherkennungsprogrammes diese Kritik als ungerechtfertigt bezeichnete und meinte, das Programm sei ein "Fortschritt". Auf der Homepage der Niederösterreichischen Patientenanwaltschaft wird noch immer gleich auf Seite 1 "das neue und qualitätsgesicherte Brustkrebsfrüherkennungs-Programm für die österreichischen Frauen" bejubelt - trotz aller inzwischen aufgetauchten, berechtigten Bedenken, wundert sich Steinhart: "Ein Patientenanwalt, der so argumentiert, hat seinen Beruf verfehlt. Weil er offensichtlich nicht die Anliegen der betroffenen Frauen vertritt, sondern einmal mehr die Interessen einer medizinisch oft fragwürdigen und häufig nicht patientenfreundlichen Sparpolitik des Gesundheitsministeriums und des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger."

Der Hintergrund: Seit 1. Jänner 2014 ist die Brustkrebsvorsorge durch den Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger organisiert. Frauen erhalten eine schriftliche Einladung zu einer "Vorsorgemammographie", ihre Ärztin oder ihr Arzt ist ab diesem Zeitpunkt nicht mehr berechtigt, sie zu dieser Vorsorgeuntersuchung zu überweisen. Sollten Ärztin oder Arzt jedoch im Zuge einer Untersuchung (Tastuntersuchung der Brust) nachweislich eine Auffälligkeit feststellen, so ist er oder sie weiterhin berechtigt, eine Frau zu einer "kurativen", also der weiteren Abklärung des auffälligen Befundes dienenden Mammographie zu überweisen.

apa.at

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