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APA-Artikel 17. März 2014

Arzt muss Arzt und Apotheker muss Apotheker bleiben!

Ernsthaft besorgt um das an sich gute Verhältnis zwischen Arzt und Apotheker zeigte sich Dr. Martin Hochstöger, Präsident der Apothekerkammer Tirol, anlässlich des heutigen Vorstoßes einiger Ärztekammerfunktionäre, allen Medizinern das Recht auf die Medikamentenabgabe zu ermöglichen. In Österreich ist die Abgrenzung klar geregelt: Medikamentenabgabe durch Apotheken, Diagnose und Therapie durch Ärzte. Eine Medikamentenabgabe von Ärzten ist nur in ländlichen Regionen über ärztliche Hausapotheken möglich.

Wieso Mediziner jetzt die Aufgaben der Apotheker übernehmen und Medikamente in den Ordinationen verkaufen wollen, ist aus gesundheitspolitischer Sicht nicht nachvollziehbar. Das Recht zur Medikamentenabgabe für jeden Arzt wäre ein Systemwechsel, der nichts brächte und zu Lasten der Patienten ginge. Die flächendeckende Versorgung mit Apotheken wäre damit in Österreich gefährdet. "Die Patienten brauchen partnerschaftliche Lösungen bei der Arzneimittelversorgung und keinen Streit zwischen Ärzten und Apothekern. Ich rufe die Ärztekammerfunktionäre auf, weniger Populismus und mehr Sachverstand einzusetzen", so Hochstöger. Ärztekammerfunktionären ist offenbar jedes Mittel recht, um von eigenen Konfliktfeldern mit der Politik, zum Beispiel beim Vorgehen gegen die Elektronische Gesundheitsakte ELGA abzulenken. Ein Systemwechsel wäre nicht nur unlogisch, sondern ein teurer und patientenfeindlicher Rückschritt.

Offenbar sollen einzelne Schweizer Kantone den Ärztekammerfunktionären als Vorbild für die Medikamentenabgabe dienen. "Die Schweiz ist jedoch ein denkbar unglückliches Vorbild. Die Medikamentengabe in Ordinationen hat dort deutliche Mehrkosten für die öffentliche Hand verursacht", so Hochstöger weiter. Dass das Schweizer Gesundheitssystem völlig anders organisiert ist, zeigt auch die Tatsache, dass dort Apothekerinnen und Apotheker auch ärztliche Tätigkeiten übernehmen - wie zum Beispiel das Impfen, um die Durchimpfungsraten zu erhöhen.

Schweiz: 30 Prozent Kostenanstieg durch dispensing doctors

Die Universität Bern hat in einer aktuellen Untersuchung aus dem Jahr 2013 nachgewiesen, dass der Medikamentenverkauf durch Ärzte die Medikamentenkosten um 30 Prozent und die Behandlungskosten um 20 Prozent erhöht. Dieser Kostenanstieg wird in der Schweiz direkt auf die Bevölkerung umgewälzt und führt daher direkt zu einer Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge.

Aber das Kostenargument ist nur ein Aspekt. So wurde im Kanton Aargau (und acht weiteren Kantonen) das Dispensierrecht der Ärzte verboten, weil im Zuge einer Volksbefragung im Vorjahr die Abstimmung mit einer deutlichen Mehrheit von über 60 Prozent gegen einen Medikamentenverkauf der Ärzte ausging. Im Kanton Aargau ist man damals zur Erkenntnis gekommen: "Die Regel "wer verschreibt, verkauft nicht", ist nicht nur für die Sicherheit der Patienten von großer Bedeutung, sondern auch für die Kostenstabilität des Gesundheitssystems von größter Relevanz." Man argumentierte weiter: "Der Arzt hat einen Anreiz, Medikamente nach wirtschaftlichen und nicht nach medizinischen Kriterien zu verschreiben. So könnte der Arzt die Medikamente verkaufen, an denen er am meisten verdient, obwohl für den Patient ein anderes Medikament geeigneter wäre. Ärzte und Apotheker ergänzen sich bei der Patientenbehandlung gegenseitig. Bei der Abgabe von Medikamenten durch die Arztpraxis fehlt die Kontrolle durch den Apotheker, was die Sicherheit für den Patienten mindert."

Hochstöger abschließend: "In Österreich gilt - wie fast in allen Ländern Europas - das Prinzip der Trennung von verschreibenden und abgebenden Stellen im Gesundheitswesen. Abgesehen von gewissen ländlichen Regionen, in denen Landärzte via ärztliche Hausapotheken Medikamente abgeben dürfen, haben in Österreich öffentliche Apotheken in der Versorgung mit Arzneimitteln grundsätzlich den Vorrang. Das österreichische System ist für den Staat sicherer und kostengünstiger als das jener Schweizer Kantone, in denen eine Arzneimittelgabe durch Ärzte zulässig ist."

 

apa.at

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