zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 17. März 2014

Medikamentenabgabe beim Arzt: Gute Erfahrungen in der Schweiz

In 17 von 26 Kantonen der Schweiz ist die Abgabe von Medikamenten beim Arzt zulässig. Im Rahmen einer von der NÖ-Ärztekammer organisierten Pressereise berichteten am Wochenende Schweizer Ärztevertreter von positiven Erfahrungen.

"Die ärztliche Medikamentenabgabe gibt es damit in 17 von 19 deutschsprachigen Kantonen, seit 2012 endlich auch in der Stadt Zürich", berichtete Urs Stoffel, Präsident der ÄrzteGesellschaft des Kantons Zürich. Die Medikamentenabgabe gehöre zum Instrumentarium der Ärzte wie das Stethoskop. Die Vorteile seien bessere Therapietreue der Patienten, Kostenvorteile durch die Verschreibung billigerer Arzneimittel, Bereitstellung von Notfallmedikamenten, bessere Kontrolle der Dauermedikation und Sicherstellung der Versorgung.

Nach gut zehn Jahren Diskussionen war die "Selbstdispensation" von Medikamenten per Volksentscheid auch in Zürich durchgesetzt worden. Proponent Josef Widler, Vizepräsident der Kantons-Ärztegesellschaft und seit 1987 Allgemeinmediziner in Zürich mit einer Gruppenpraxis und drei angestellten Ärzten: "Das lief unter dem Spruch 'Wahlfreiheit für den Patienten'. (...) Entweder der Patient erhält von mir das Medikament oder ein Rezept für die Apotheke - oder er erhält es (auf E-Rezept vom Arzt; Anm.) von einer Versandapotheke zugeschickt."

"In ländlichen Gebieten gibt fast jeder Arzt Arzneimittel ab", schilderte Widler den aktuellen Status. "In der Stadt Zürich sind es jetzt etwa 30 Prozent der Ärzte, mehr als 50 Prozent der Allgemeinmediziner."

Wo in der Schweiz diese Möglichkeit generell besteht, darf jeder Arzt mit Berufsberechtigung auch quasi eine ärztliche Hausapotheke führen. In den Kantonen Bern und Graubünden gibt es ein Konzessionssystem mit Versorgungsgrenzen zu öffentlichen Apotheken ähnlich jenem in Österreich. In der Westschweiz sind die Apotheken zuständig.

"Ich habe 200 bis 300 Medikamente", sagte Allgemeinmediziner Widler, der am 2. Mai 2012 - einen Tag nach Inkrafttreten der neuen Regelungen in der Stadt Zürich - seine Hausapotheke in der Ordination eröffnete. Diese kämen von der nächsten Apotheke, nicht vom Großhandel. An die Apotheke verwiesen oder mit Extra-Bestellung von dort versorgt würden die Patienten, welche seltener benötigte Arzneimittel bräuchten.

Laut dem Arzt und Standesvertreter geht es weniger ums Geld als um den Service. Man müsse die Medikamentenabgabe in der eigenen Arztpraxis schon gut managen, damit überhaupt ein Gewinn übrig bleibe. Die Auflagen der Einrichtungen inklusive Kühlmöglichkeiten seien streng. Wird beispielsweise die Kühlschranktemperatur (Insuline etc.) um ein Grad Celsius verfehlt, drohen allein schon 20.000 Schweizer Franken (16.500 Euro) Strafe.

Die Apotheken in Zürich sollen sich laut den Aussagen der Ärzte-Standesvertreter mit der Situation abgefunden haben. "Die Befürchtung 'es gibt das große Apothekensterben' hat sich nicht bewahrheitet. Der totale Widerstand ist völlig eingeschlafen", betonte Stoffel. "Es ist immer noch so, dass im Westen (der Schweiz ohne Arzneimittel vom Arzt; Anm.), die Aufwendungen für Medikamente bis zu doppelt so hoch pro Versichertem sind." Das liege zum Teil daran, dass in der Schweiz ein Selbstbehalt für Arzneimittel von zehn oder 20 Prozent zu bezahlen sei. Und diese Kosten sehe der Patient beim Arzt sofort und beginne zu argumentieren, ob es nicht auch billiger sein könnte. Auf der anderen Seite sei hier auch der Arzt zumeist kostenbewusster.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben