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APA-Artikel 12. März 2014

Experten fordern Psychosomatik-Additiv-Ausbildung für Ärzte

Derzeit wird in der Österreichischen Ärztekammer die neue Ausbildungsordnung für Ärzte beraten. Die Österreichische Gesellschaft für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin (ÖGPPM) fordert aus diesem Anlass die Einführung einer Psychosomatik-Additiv-Ausbildung für Ärzte. Nur das könne eine flächendeckende Versorgung in der notwendigen Qualität sicherstellen, erklärten Experten am Mittwoch.

"Unisono haben Experten festgestellt, dass in Österreich gravierende Versorgungsmängel in der psychosomatischen Medizin bestehen. Es gibt kein flächendeckendes Angebot. Mit der freiwilligen Weiterbildung ist keine Qualitätssicherung verbunden", sagte Christian Fazekas, Präsident der ÖGPPM. Derzeit gibt es für Ärzte in Sachen Psychosomatik als Ausbildungsmöglichkeit vor allem die sogenannten "Psy-Diplome" der Österreichischen Ärztekammer. In den vergangenen 20 Jahren haben etwa 2.200 Ärzte die erste Stufe absolviert, etwa 1.700 das Psy-Diplom II" und etwa 1.300 die dritte Stufe.

Doch für die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung ist das zu wenig. Gabriele Moser, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatik in der Inneren Medizin: "Es gibt keine Strukturen." Über eine Additivfach-Lösung für Ärzte könnte einerseits die Ausbildung in Psychosomatik an den Medizin-Universitäten geregelt werden, andererseits sollten dann langsam ausreichend Spezialisten zur Verfügung stehen, welche Patienten mit psychosomatischen Problemen behandeln, die über den Bereich der Allgemeinmedizin hinausgehen bzw. komplexer sind.

Ein Ersatz für die "Psy-Diplome" solle das nicht sein. Fazekas: "Es sind etwa 30 Prozent der Patienten, die davon profitieren, wenn sie auch von einem in Psychosomatik ausgebildeten Arzt betreut würden." An den meisten chronischen Erkrankungen - zwei Millionen Österreicher leiden allein an ständigen Kreuzschmerzen etc. - sei auch eine psychische Komponente beteiligt.

Die Psychosomatik spiele auch bei der Chronifizierung von Beschwerden eine entscheidende Rolle. Die Möglichkeit zum Erkennen solcher Probleme sollte jeder Allgemeinmediziner besitzen und auch Grundwissen über die Behandlung aufweisen. Darüber hinaus sollten dann die Ärzte mit Additivausbildung tätig werden. Derzeit würden hier aber auch noch die entsprechenden Regeln für die Versorgung im Krankenkassensystem fehlen. Gerald Bachinger, Sprecher der Österreichischen Patientenanwälte: "Wir haben hier ein Versorgungsdefizit. Das ist ein 'weißer Fleck' in unserer an sich sehr guten Gesundheitsversorgung."

Der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin, Reinhold Glehr, betonte, dass bei rund 40 Prozent der Patienten ohne direkte psychiatrische Diagnose auch eine psychosomatische Komponente vorliege. Bachinger und Glehr sprachen sich dafür aus, dass die Psychosomatik auch in die Agenden der in Österreich derzeit im Rahmen der Gesundheitsreform neu zu gestaltenden Primary Heath Care-Funktionen der niedergelassenen Ärzte verankert werden sollte.

apa.at

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