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APA-Artikel 12. März 2014

ELGA rettet kein Leben

Österreichs Märchen des Jahres heißt "ELGA". Das Milliarden Euro verschlingende Datenmonster "Elektronische Gesundheitsakte" ist angeblich eine gute Fee, die den medizinischen Fortschritt fördert und sogar Leben rettet. "So fein und erwärmend märchenhafte Gedanken für viele Menschen auch sein mögen, in Sachen Gesundheitspolitik sollte man doch bei der Realität bleiben", erklärte Dr. Christian Euler, Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes (ÖHV), in einer Pressekonferenz.

ELGA erschwert Arbeit der Notärzte

Ein Dorn im Auge ist den Hausärzten besonders das Argument, ELGA werde in akuten Notsituationen helfen, rascher zu einer gezielten Diagnose und Therapie zu kommen. So meinte Bundesminister Stöger sogar: "Am Ende wird's auch Leben retten". Der renommierte Notarzt, Oberarzt Dr. Karl Ischovitsch, dementiert das energisch: "In lebensbedrohlichen Situationen geht es um jede Sekunde. Da hat das Suchen in unsortierten Befunden der Elektronischen Krankheitsakte keinen Platz. Die Behauptung, ELGA werde Leben retten, kann ich aus Sicht des Notarztes nicht nachvollziehen. Es ist zu erwarten, dass ELGA die Arbeit der Notärzte mehr erschweren denn erleichtern wird."

Nur Ersthelfer, Ärzte und Fachkräfte können Leben retten, ist man im Hausärzteverband überzeugt. Eine Akte werde dazu nie imstande sein. Am Ort des Notfalls und im Schockraum werden e-card und ELGA somit immer bedeutungslos bleiben.

Weder rettet ELGA Leben, noch gefährdet der Austritt aus ELGA die Gesundheit, wie Hauptverbandschef Dr. Schelling kürzlich proklamierte. "Eine solche Aussage macht Angst und ist gezielte Desinformation", ist ÖHV-Bundessekretärin Dr. Eva Raunig empört: "Wir Hausärzte erfüllen längst alle Dokumentationsaufgaben, übertragen Befunde und koordinieren Medikamentenverschreibungen". Mit dem Austritt aus ELGA gefährde man daher lediglich die Bürokratie und zentralistische Datengier.

ELGA bringt keinen Fortschritt

Das ELGA-Märchen hat freilich noch weitere Kapitel, beispielsweise die angebliche Förderung des medizinischen Fortschritts. "ELGA wird frühestens in fünf Jahren das können, was wir heute schon elektronisch praktizieren. Wo bleibt da der Fortschritt?", fragt sich ÖHV-Präsident Dr. Euler. Vielmehr gehe es um eine Gesundheitsreform, die die Bewirtschaftung von Krankheiten zum Ziel habe. "Das sollte man sagen statt Märchen zu erzählen. Und wenn heute das Geld für Lehrpraxen fehlt, sollte man den Betrag mit den exorbitanten sinnlosen Ausgaben für ELGA vergleichen", so Euler.

Eine Absage erteilen die Hausärzte auch dem Argument, ELGA wäre ein Kontrollinstrument gegen Ärztebetrug. Es sei gesetzlicher Auftrag der Kassen, ihren Vertragspartnern auf die Finger zu schauen. Wie komme man dazu, Patientinnen und Patienten zu Schnüffeldiensten einzuspannen?

ELGA ist Datenschutz-Experimentierfeld

Eines der meistgehörten Märchen rund um ELGA ist schließlich jenes von der Sicherheit, das Dr. Hans G. Zeger, Obmann der ARGE Daten, mit größter Skepsis kommentiert. Österreich werde zum Forschungslabor einiger US-Unternehmen die auf Kosten heimischer Steuerzahler mit Berechtigungssystemen experimentieren. Nur naive Märchen-Fans würden den bunten Diagrammen glauben, die die ELGA-Betreiber vorlegen.

Nicht erst seit dem jüngsten Skandal um das Datenleck bei Schülertests haben freilich zig-tausende Österreicher das Datenschutz-Märchen als solches erkannt und bereits ihre logische Konsequenz gezogen: Raus aus ELGA!

apa.at

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