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APA-Artikel 7. März 2014

Frauentag: Mehr Ärztinnen als Ärzte im Spital, jede dritte Praxis weiblich

46 Prozent (19.346) der österreichischen Ärzteschaft seien weiblich. Den höchsten Frauenanteil weise mit 50 Prozent Wien auf, gefolgt von Niederösterreich und der Steiermark (47 bzw. 46 Prozent), teilte die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) am Freitag in einer Aussendung mit. Es spreche alles dafür, dass der Anteil weiblicher Jungmediziner weiter steigen werde, gleichzeitig würden sich aber immer weniger junge Männer für den Arztberuf entscheiden. "Die Ärztegeneration, die in wenigen Jahren in Pension gehen wird, ist vorwiegend männlich. Zum Schließen dieser Lücken werden künftig aber mehrheitlich Ärztinnen zur Verfügung stehen - theoretisch", sagte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger. Denn ob die Österreicherinnen und Österreicher langfristig auf eine flächendeckende ärztliche Versorgung zählen können, werde davon abhängen, ob es gelinge, frauen- und familienfreundliche Arbeitsbedingungen auch in der Medizin umzusetzen.

"Wenn Politik und Gesellschaft das hohe medizinische Versorgungsniveau in Österreich aufrechterhalten wollen, müssen sie jetzt Maßnahmen setzen, damit der berechtigte Anspruch von Ärztinnen und Ärzten auf angemessene Work-Life-Balance erfüllbar wird", so Ärztekammerpräsident Wechselberger. Wie die meisten berufstätigen Frauen stehe auch das Gros der Ärztinnen vor der Herausforderung, berufliche Verantwortung und familiäre Aufgaben unter einen Hut zu bringen. Während jedoch in den meisten Branchen mittlerweile flexible Arbeitszeitmodelle angeboten würden, hätten Spitalsärztinnen und -ärzte kaum die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten und nur in wenigen Krankenanstalten gebe es betriebliche Kinderbetreuung. Dazu komme, dass die Arbeitszeithöchstgrenzen nach wie vor nicht überall eingehalten würden. Bei der Sozialversicherung wiederum stoße man seit Jahren auf taube Ohren, wenn es um die Forderung nach flexiblen Formen der Zusammenarbeit für niedergelassene Ärzte und um eine vernünftige Regelung der Bereitschaftsdienste gehe.

Ärztinnen-Zahlen

Mit 8692 ausschließlich im Spital tätigen Ärztinnen sind mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Spitalsmediziner weiblich. Wien (57 Prozent) und Niederösterreich (56 Prozent) liegen über dem Schnitt. Von den aktuell 6457 Turnusärzten sind 60 Prozent (3890) weiblich, den höchsten Frauenanteil hat hier das Burgenland (64 Prozent). Hingegen befinden sich nur 205 der insgesamt 1454 Primariate in weiblicher Hand (14 Prozent). Der "Großstadtfaktor" zeigt sich in diesem Bereich sehr deutlich: In der Bundeshauptstadt sind 23 Prozent aller Primarärzte weiblich.

Frauen führen 5854 (34 Prozent) der insgesamt 17.310 Arztpraxen, den größten Anteil gibt es auch hier in Wien mit 39 Prozent. Bemerkenswert ist, dass Frauen im Österreichschnitt zwar vier von zehn allgemeinmedizinischen Praxen innehaben (2736; 42 Prozent), aber weniger als ein Drittel aller Facharztordinationen (3095; 29 Prozent). Hier liegt sogar die Bundeshauptstadt mit 33 Prozent nur knapp über dem Österreichschnitt. - Für ÖÄK-Präsident Wechselberger ein klares Zeichen dafür, "dass Frauen zu wenige Möglichkeiten vorfinden, die jahrelange praktische Facharztausbildung im Spital mit der persönlichen Lebens- und Familienplanung zu verbinden".

apa.at

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