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APA-Artikel 7. März 2014

Kompetenzen der Chirurgen gut, Zusammenarbeit zu verbessern

Das technische Know-how der Chirurgen am Spital Sitten ist gut, die interdisziplinäre Zusammenarbeit muss aber verbessert werden. Zu diesem Schluss kommt ein externer Expertenbericht, nachdem die Behandlungsqualität infolge mehrerer Todesfälle in Frage gestellt worden war.

Die Vorsteherin des Walliser Gesundheitsdepartementes, Esther Waeber-Kalbermatten, hatte im Oktober 2013 den belgischen Professor Jean-Jacques Houben beauftragt, eine Expertise durchzuführen. Dies, nachdem Vorwürfe im Zusammenhang mit Todesfällen nach Operationen am Spital Sitten aufgekommen waren.

Houben analysierte rund 140 Fälle im Bereich Magen-Darm-Trakt der Jahre 2011-2012. Diese Zahl bildet laut dem belgischen Professor einen Bruchteil der insgesamt 67'000 stationär behandelten Fälle.

Die Anzahl behandelter Patientinnen und Patienten und die Bedürfnisse zur Behandlung solcher Krankheiten rechtfertigten aber dennoch weiterhin hochspezialisierte Eingriffe an Leber, Bauchspeicheldrüse und Dickdarm/Mastdarm, hält Houben in seinem am Donnerstag in Sitten präsentierten Schlussbericht fest. Diese Leistungen seien jedoch in Partnerschaft mit dem Waadtländer Universitätsspital CHUV zu entwickeln, wie es in der inzwischen eingegangenen Vereinbarung vorgesehen sei.

In der Speiseröhrenchirurgie würden demgegenüber zu wenig Eingriffe durchgeführt, weshalb diese nur noch in Sitten vorgenommen werden sollten, wenn Chirurgen des CHUV diese ausführten. Ausserdem müssten die Führungsinstanzen des Spitals wichtige Massnahmen ergreifen, um die Indikationen bei diesen hochspezialisierten Operationen sorgfältig zu prüfen. Zugleich sollten die Operationen des Magen-Darm-Traktes und die Anästhesie neu organisiert werden.

Die einzelnen Chirurgen verfügten unbestritten über fundierte Kompetenzen, um Patienten in der hochspezialisierten Viszeralchirurgie zu behandeln; gleichzeitig gebe es viele Dinge, die nicht funktionierten und verbessert werden müssten.

Alarmiert zeigte sich Houben insbesondere über die "sehr hohe postoperative Mortalitätsrate". Bei Bauchspeicheldrüsen-Eingriffen lag diese Sterblichkeitsrate bei über 20 Prozent gegenüber zwei bis 10 Prozent im internationalen Vergleich, bei Leber-Eingriffen bei 13,5 Prozent gegenüber den erwarteten eins bis fünf Prozent. Bei Speiseröhren- und Dickdarm sowie Mastdarm-Eingriffen lag die Mortalitätsrate hingegen nahe bei den erwarteten Durchschnitten.

Bezüglich Lebereingriffe wies der Experte allerdings darauf hin, dass es keineswegs bewiesen sei und auch nicht davon ausgegangen werden könne, dass ein anderes Team oder ein anderes Umfeld den Walliser Patienten einen grösseren Nutzen gebracht hätte.

In seinem Schlussbericht unterstreicht der belgische Professor zudem, dass mehrere als unheilbar eingestufte Patienten ohne Aussicht auf einen therapeutischen Nutzen operiert worden seien.

Die Kompetenzen des Chefchirurgen, der Ende Januar gekündigt hatte, stellt Houben nicht in Frage. Nachdem er dessen Arbeit gesehen habe und mit ihm bei Operationen dabei gewesen sei, betreffen die Vorwürfe höchstens dessen Individualismus und die übermässige Autorität des Chefchirurgen. "Hätte ich inakzeptable Dinge gesehen, hätte ich sofort die Alarmglocke gezogen", betonte Houben.

Die hochspezialisierte Medizin habe ihren Platz im Wallis und solle beibehalten werden, sagte Waeber-Kalbermatten. Dazu brauche es aber genügend gute Ärzte, die ins Wallis kämen. Sie appellierte deshalb an alle Akteure, zusammenarbeiten, damit das Spital in Ruhe arbeiten könne und sich nicht ständig mit Krisen beschäftigen müsse.

"Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem es eine Wende geben muss," betonte Waeber-Kalbermatten. Das Walliser Kantonsparlament hatte zum Fall eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) eingesetzt.

Der Verwaltungsrat des Spital Wallis zeigte sich in einer Mitteilung vom Donnerstag erfreut darüber, dass die Departementsvorsteherin ihren Willen bekräftigt hat, die hochspezialisierte Medizin im Wallis weiterzuentwickeln und zu etablieren. Viele Empfehlungen seien bereits in der Umsetzungsphase.

apa.at

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