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APA-Artikel 6. März 2014

Zahnarzt klagt und will NÖGKK zwingen, kostenlose Zahnbehandlung in Narkose für Kinder zu stoppen

Seit 2008 bietet die NÖ Gebietskrankenkasse in ihren Zahnambulatorien St. Pölten und Wr. Neustadt kostenlose Zahnbehandlung in Narkose für Kinder und Menschen mit besonderen Bedürfnissen an. Das war einem Zahnarzt, der Narkose-Zahnbehandlung als Privatleistung und daher gegen Bezahlung in seiner Ordination anbietet, ein Dorn im Auge. Er klagte wegen angeblichem unlauteren Wettbewerb gegen das St. Pöltner Ambulatorium: Jetzt ist zu befürchten, dass auf Grund einer einstweiligen Verfügung des Gerichtes die Patientinnen und Patienten - ausschließlich Kinder und behinderte Menschen - künftig ohne Gratisversorgung dastehen.

Konkret verlangte der klagende Zahnarzt, dass die Behandlung für die Patientinnen und Patienten des NÖGKK-Ambulatoriums nicht länger kostenlos sein solle. Allerdings sind die Voraussetzungen völlig unterschiedlich: Das NÖGKK-Zahnambulatorium unterliegt dem Krankenanstaltengesetz, alle Leistungen werden daher nach den hohen Qualitätskriterien einer Krankenanstalt erbracht. Für Ordinationen von niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzten gilt das nicht, sie haben nicht die gleichen sanitätsbehördlichen Auflagen (z. B. bei Sterilisation, Desinfektion) oder die jährlichen Qualitätsüberprüfungen wie eine Krankenanstalt. Zudem ist die Zahnbehandlung in Narkose ein sogenanntes Kooperationsprojekt zwischen Land und Sozialversicherung. Vor 2008 hat das Krankenhaus St. Pölten die Behandlung erbracht, im Rahmen des sektorenübergreifenden Gesundheitsplanes ist das Projekt zur NÖGKK gewandert. Quasi von Krankenanstalt zu Krankenanstalt.

Für Obmann Gerhard Hutter ist die Klage und die damit verbundene einstweilige Verfügung völlig unverständlich: "Hier trägt ein Zahnarzt seine monetären Interessen auf Kosten der schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft aus. Denn das hat nichts mit dem Wohl der Patientinnen und Patienten, sondern ausschließlich mit persönlichem Gewinnstreben zu tun, wenn er fordert, dass wir Kinder und behinderte Menschen nicht mehr kostenlos behandeln dürfen!" Aber auch seitens der Zahnärztekammer ist die NÖGKK mit ihren Zahnambulatorien seit einigen Jahren von Klagen bedrängt.

Generaldirektor Mag. Jan Pazourek: "Überall dort, wo wir im Sinne unserer Kundinnen und Kunden bestehende Ambulatorien modernisieren und umbauen, versucht die österreichische Zahnärztekammer, dies zu verhindern."

Das betrifft die Ambulatorien in Amstetten, Baden, Krems, Mödling, Neunkirchen, Schwechat, St. Pölten, Tulln und Wr. Neustadt. Tatsächlich sind diese Ambulatorien aber eine wichtige Säule der zahnärztlichen Versorgung im Lande, so etwa bei der Abdeckung von Randzeiten durch den zahnärztlichen Wochentags-Notdienst bis 22:00 Uhr in St. Pöl-ten, Präventionsangeboten wie die Mundhygiene oder durch sozial verträgliche Tarife für verschiedene Leistungen wie z. B. Kronen und Brücken.

Der NÖGKK-Generaldirektor ruft daher die Zahnärztekammer auf, sich betreffend kostenloser Narkosebehandlung im NÖGKK-Zahnambulatorium im Sinne des Patientenwohles auszusprechen und sich für einen Fortbestand dieses wichtigen Angebotes zu engagieren.

apa.at

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