zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 6. März 2014

NÖ Impftag: Impfungen für Jugendliche

Kommt ein Baby zur Welt, so nutzen viele Eltern die Möglichkeiten des Gratis-Kinderimpfprogramms und lassen ihre Säuglinge schützen. Doch schon bei den nachfolgenden Auffrischungsimpfungen in den ersten Monaten beziehungsweise Jahren bemerken Experten eine zunehmende Impfmüdigkeit der Eltern, sodass die Kinder und späteren Jugendlichen keinen durchgängigen Impfschutz mehr aufweisen können. Am 8. März findet in St. Pölten der fünfte Niederösterreichische Impftag statt, an dem sich Apotheker und Ärzte zum wichtigen Thema "Impfungen für Jugendliche" fortbilden.

Gefährliche Verharmlosung von Masern

Die schlechte Durchimpfungsrate bei der 2. Teilimpfung ist die Ursache dafür, warum Österreich das WHO-Ziel der Masern-Ausrottung nicht erreicht hat. Vizepräsident und Kurienobmann der NÖ Ärztekammer, MR Dr. Dietmar Baumgartner, meint dazu: "Für die mögliche Ausrottung von Masern benötigen wir eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent. Davon sind wir auch in Niederösterreich relativ weit entfernt. Für die Erstimpfung können wir eine Beteiligungsrate von 80 Prozent registrieren, für die Zweitimpfung liegt sie noch darunter." Fehlt jedoch die zweite Impfung, kann nicht von einem sicheren Schutz gegen die gefährliche Erkrankung ausgegangen werden.

Dazu Sektionschefin Dr. Pamela Rendi-Wagner, Bundesministerium für Gesundheit: "Schutzimpfungen gehören zu den wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen. Es ist höchste Zeit, an die Verantwortung von uns allen zu appellieren, und zu verhindern, dass Infektionskrankheiten wie Masern wieder für den Tod von Menschen verantwortlich sind, wenn es doch eine sichere und effektive Impfung gibt, die global zu einer fast 80 prozentigen Reduktion der Maserntodesfälle innerhalb von zwölf Jahren geführt hat. Es ist moralisch und ethisch einfach nicht verantwortbar, ein Risiko von Komplikationen oder sogar Tod von Betroffenen in Kauf zu nehmen, wenn es eine effektive Impfung gibt."

Der Indexfall für den aktuellen Masernausbruch in Niederösterreich und Wien war ein drei-jähriger Bub aus Gänserndorf, der stationär im Krankenhaus aufgenommen wurde, als noch kein Exanthem aufgetreten war und daher die Diagnose bei Aufnahme nicht gestellt werden konnte. Dieser Fall führte zu mindestens 29 weiteren Masernfällen von Personen mit Wohnsitz in Niederösterreich und 13 Fällen in Wien. Beinahe drei Viertel der Masernfälle des Ausbruchs waren entweder gegen Masern nicht geimpft oder der Masern-Impfstatus war unklar. Mehr als ein Drittel aller PatientInnen musste im Krankenhaus stationär aufgenommen werden. Vier Fälle traten beim medizinischen Personal auf. Zweimal kam es zu einer Übertragung im Krankenhaus. Zwei Masern-Patienten waren Kinder unter dem ersten Lebensjahr (beide zehn Monate alt), die somit das empfohlene Lebensalter für eine Masernimpfung noch nicht erreicht haben; ein Drittel der Masern-Patienten waren 25 Jahre oder älter. Der zuletzt aufgetretene Masern-Fall hatte am 18. Februar Symptombeginn. Da die mittlere Inkubationszeit von Masern 13 Tage beträgt (maximal 21 Tage), es sich bei Masern um die am höchsten ansteckende Krankheit handelt und Masern eine starke jahreszeitliche Schwankung mit einem Hoch im Frühjahr zeigen, ist mit weiteren Fällen innerhalb der nächsten zwei Wochen zu rechnen.

"NÖ hat sich deshalb entschlossen die kostenlose Masern-Nachholimpfung für Personen bis zum 45. Lebensjahr auch im niedergelassenen Bereich zu ermöglichen. Ab sofort kann jeder, der die Impfung nachholen möchte, den Impfstoff kostenlos über ein Rezept vom Hausarzt in der Apotheke beziehen", informiert Sanitätsdirektorin HR Dr. Irmgard Lechner vom Amt der NÖ Landesregierung.

5. Niederösterreichische Impftag

Thematischer Schwerpunkt des fünften niederösterreichischen Impftags am 8. März in St. Pölten sind die Jugendlichen. " Jugendliche stellen eine besonders interessante Zielgruppe für Impfungen dar, denn es gibt neue infektiologische Herausforderungen, die durch das jugendliche Alter entstehen, wie zum Beispiel Varizellen, Meningokokken B-Infektionen oder Pertussis-Erkrankungen", informiert Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer, Abteilungsvorstand Kinder- und Jugendheilkunde des Landesklinikums St. Pölten und Initiator des NÖ Impftages. Anderseits bietet das Jugendlichenalter die letzte Möglichkeit, im Rahmen von Schulimpfungen viele Impflinge zu erreichen. Neu ist, dass Jugendliche nun österreichweit gegen HPV geimpft werden, sodass binnen weniger Jahre mit positiven Auswirkungen auf die Krankheitslast von HPV Infektionen gerechnet werden kann.

Die HPV-Impfung wird seit 17. Februar 2014 an den Bezirksverwaltungsbehörden und Gesundheitsämtern in NÖ für Kinder ab dem vollendeten 9. Lebensjahr bis zum vollendeten 12. Lebensjahr (= 12. Geburtstag) kostenlos angeboten. "Mit den Impfungen in der 4. Schulstufe wird ab Herbst 2014 begonnen", so Lechner. Zusätzlich bietet NÖ für Kinder ab dem vollendeten 12. Lebensjahr (= 12. Geburtstag) bis zum vollendeten 15. Lebensjahr (= 15. Geburtstag) HPV Catch-up Impfungen zum vergünstigten Selbstkostenpreis von 50 Euro pro Teilimpfung an. Nach dem abgeschlossenen 12. Lebensjahr muss die HPV Impfung zur Erreichung eines gleichwertigen Individualschutzes nach derzeitigem Stand der Wissenschaft dreimal gegeben werden. Diese Impfungen können an den Bezirksverwaltungsbehörden und Gesundheitsämtern in Niederösterreich in Anspruch genommen werden.

Gründe für Impfmüdigkeit

Ähnlich wie in anderen Bundeländern nimmt die Beteiligung der Bevölkerung an den empfohlenen und vom epidemiologischen Standpunkt aus betrachtet ungemein wichtigen Schutzimpfungen ab. . "Der Großteil der österreichischen Bevölkerung kennt bedrohliche Erkrankungen nur noch aus Erzählungen. Dadurch ist der Respekt vor diesen Erkrankungen deutlich geringer geworden. Letztlich sind Erkrankungen wie Diphtherie, Kinderlähmung, Masern und andere Erkrankungen auch einem Gutteil der Ärzteschaft nur noch aus dem Lehrbuch bekannt", so Baumgartner weiter.

Für jede im österreichischen Impfplan empfohlene Impfung ist eine positive Nutzen-Risiko-Relation durch das Zulassungsverfahren und laufende Überwachung durch entsprechende Daten belegt. Dennoch kursieren Gerüchte, die zu einer Verunsicherung der Bevölkerung führen, wie zum Beispiel die Vermutung, dass Impfungen Allergien begünstigen. "Alle wissenschaftlichen Untersuchungen kommen jedoch zum Schluss, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Entstehung oder der Häufigkeit des Auftretens von Asthma bronchiale, atopischer Dermatitis oder anderen atopischen Erkrankungen gibt. Auch die Zahl der verabreichten Impfungen korreliert nicht mi der Häufigkeit von Impfungen", so Zwiauer.

"Wir Apotheker sehen es daher als unsere Aufgabe, das Impfbewusstsein der Bevölkerung zu stärken. Aus diesem Grund rufen wir auch gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit, der Industrie und den Sozialversicherungen Jahr für Jahr zahlreiche Impfaktionen ins Leben - wie z.B. die FSME-Impfaktion, die Influenza-Impfaktion oder die Hepatitis-Impfaktion", so Mag. pharm. Heinz Haberfeld, Präsident der Apothekerkammer Niederösterreich. Die fundierte und seriöse Information und Beratung an der Tara tragen ebenso zur Schaffung des Impfbewusstseins der Patienten bei. Gerade für junge Eltern nimmt die Beratung in der Apotheke einen wesentlichen Stellenwert ein. Mütter und Väter erhalten in den Apotheken unkompliziert und rasch Auskunft über wichtige Vorsorgemaßnahmen und natürlich alle Impfungen. Immer problematischer werden für die Apotheken allerdings die Lieferengpässe der Impfstoffhersteller. "Manche Impfstoffe sind über Monate nicht lieferbar, was die Kunden zusätzlich verunsichert", so Haberfeld. Aktuell betrifft das den Impfstoff gegen Tollwut und den vierfach-Impfstoff gegen Keuchhusten, Diphtherie, Polio und Tetanus. Keuchhusten (Pertussis) ist zwar im Sechsfach-Impfstoff des Gratis-Kinderimpfprogramms enthalten, der Impfstoff für die Auffrischung im Volksschulkinder- bzw. Erwachsenenalter ist jedoch europaweit vergriffen.

Forderung nach besserer Abstimmung zwischen den Bundesländern Ein von Ärzte- und Apothekerschaft immer wieder kritisierter Punkt betrifft die praktische Umsetzung des Impfprogramms, das österreichweit nicht einheitlich durchgeführt wird. Baumgartner dazu: "Das Bundesministerium ist nur für die Erstellung des Impfplans und gemeinsam mit Ländern und Sozialversicherungen für die Beschaffung der benötigten Impfstoffe zuständig. Die Durchführung ist reine Ländersache, was zu der Tatsache führt, dass in allen Bundesländern nicht nur verschiedene Impfhonorare ausbezahlt werden, sondern auch in der Verteilung der Impfstoffe an die Impfärztinnen und -ärzte große Unterschiede bestehen. Nachdem aber gerade in Grenzregionen zwischen einzelnen Bundesländern häufig auch Ärztinnen und Ärzte des Nachbarbundeslandes aufgesucht werden, fehlen diese geimpften Kinder in der Impfstatistik jenes Bundeslandes, in dem der Impfling amtlich gemeldet ist. Somit stimmen die Impfstatistiken höchstwahrscheinlich nur andeutungsweise. Eine Änderung dieser Situation wäre daher mehr als wünschenswert."

Eine Vereinheitlichung der Impfprogramme hätte zum Vorteil, dass neben der genaueren Statistik über die abgegebenen Impfstoffe (Abrechnung über die Pharmazeutische Gehaltskasse) auch einheitliche Formulare verwendet werden. "Außerdem wären alle Impfstoffe dann direkt österreichweit einheitlich über die Apotheken zu beziehen" ergänzt Haberfeld.

Aktuelle Impfaktionen in den Apotheken

FSME Impfaktion von 1. Jänner bis 31. Juli 2014 mit vergünstigten Impfstoffen für Kinder (28,90 Euro) und Erwachsene (33,50 Euro)

Hepatitis Impfaktion von 1.April bis 31. Mai 2014 mit vergünstigten Impfstoffen für Kinder (AB Kombi 37,90 Euro) und Erwachsene (AB Kombi 59,90 Euro)

Meningokokken Impfaktion von 1. April bis 30. September 2014 mit vergünstigten Impfstoffen (je nach Impfstoff zwischen 39,00 und 57,50 Euro)

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben