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APA-Artikel 28. Februar 2014

D: Neuer oberster Kassenarzt will Mediziner einen

Überschattet von internen Streitigkeiten wählen Deutschlands Kassenärzte einen neuen Chef. Er tritt ein schweres Amt an - und zeigt sich dabei offensiv.

Deutschlands neuer oberster Kassenarzt Andreas Gassen will internen Streit in der Ärzteschaft überwinden. Zumindest nach außen sei geschlossenes Auftreten wichtig, kündigte der Düsseldorfer Orthopäde und Unfallchirurg am Freitag in Berlin an. Als neuer Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) tritt der 51-Jährige die Nachfolge von Andreas Köhler an. Der langjährige KBV-Chef zog sich nach einem Herzinfarkt zurück.

Die KBV vertritt die rund 150 000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland.

Die Vertreterversammlung, das Parlament der KBV, wählte Gassen zunächst als fachärztlichen Vertreter in den Vorstand. Obwohl er keinen Gegenkandidaten hatte, erhielt er nur 35 Ja-, aber auch 25 Nein-Stimmen. Im Anschluss kürten die Delegierten Gassen mit breiter Mehrheit zum Chef des zweiköpfigen Führungsgremiums. Die Hausarztvertreterin Regina Feldmann musste nicht erneut als Vorstandsmitglied bestätigt werden.

Das zunächst magere Wahlergebnis wurde auch als Resultat internen Streits zwischen Haus- und Fachärzten gewertet. Zwischen Köhler und Feldmann war der Streit an der Spitze eskaliert. Hausärztevertreter fühlen sich seit Jahren von der KBV unzulänglich vertreten. Dabei geht es auch um ihre - im Vergleich zu vielen Fachärzten - niedrige Bezahlung.

Gassen sagte, geeintes Auftreten gegenüber Politik und Krankenkassen sei nun zentral. Die Wagenburg der Ärzte müsse geschlossen werden. Zumindest nach außen brauche es eine einheitliche Fassade. Weite Teile der Vertreterversammlung fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Angesichts jüngster Kassen-Kritik an angeblichen Abrechnungsfehlern der Ärzte sagte er: "Ärzte-Bashing werden wir nicht akzeptieren." Priorität habe für ihn zudem, Bürokratie in den Arztpraxen zu senken.

Für Schlagzeilen hatten auch finanzielle Ungereimtheiten bei der KBV selbst gesorgt. Die Grünen fragten in einer Anfrage an die Bundesregierung, ob diese ihrer Aufsichtspflicht genug nachkomme.

Köhler war seit 2005 KBV-Chef. Zu Berichten, dass der 53-Jährige nach seinem Ausscheiden 270 000 Euro pro Jahr beziehe, wollte sich ein KBV-Sprecher nicht äußern. Sie wurden aber auch nicht dementiert.

apa.at

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