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APA-Artikel 28. Februar 2014

D: Furcht vor roten Flecken - Was tun gegen Lücken der Ärzteversorgung?

Die Zeit der Einzelkämpfer in der Arztpraxis geht dem Ende zu. Das meinen die Krankenkassen. Patienten müssen sich umgewöhnen - doch einen Königsweg gegen Ärztemangel gibt es nicht.

Zuhause haben die Patienten mit Herzschwäche Waage, EKG- und Blutdruckmessgerät. Täglich messen sie ihre Werte. Mit einem weiteren Gerät leiten sie die Daten von ihrem Wohnort auf dem Land in Brandenburg an die Berliner Charité weiter. Von dort können Ärzte und Pfleger telefonisch eingreifen, in Absprache mit Ärzten vor Ort etwas an der Medikation ändern oder einen Notarzt losschicken.

Noch ist es eine Studie, um Telemedizin zu testen - doch sie weist einen von vielen Wegen für eine andere medizinische Versorgung in der Zukunft. Auf was müssen sich Patienten in Deutschland also einstellen?

Geht es nach Deutschlands Krankenkassen, soll kräftig umgebaut werden. "Wir glauben, dass wir wegkommen müssen vom Einzelkämpfer-Dasein", sagt der Vizechef des Verbands, Johann-Magnus von Stackelberg. Noch stehen nach jüngsten Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) rund 82 000 Einzelpraxen etwa 20 000 Gemeinschaftspraxen und gut 1800 Medizinische Versorgungszentren gegenüber. Doch immer mehr Ärzte arbeiten gemeinsam unter einem Dach oder sind angestellt.

Die Kassen wollen den Trend verstärken. Denn mit dem Älterwerden der Gesellschaft haben immer mehr Menschen gleichzeitig mehrere Krankheiten - zum Beispiel Allgemeinmediziner, Internisten und Orthopäden unter einem Dach sind da besser. Doch scheut auch der Nachwuchs oft den vollen Einsatz mit Überstunden und der ganzen wirtschaftlichen Verantwortung.

Die Sorge gilt vor allem den Hausärzten. Etwa nur jeder zweite findet heute einen Nachfolger. Ihr Prestige ist unter angehenden Medizinern oft gering. Und mehr als zwei Drittel der Medizinabsolventen sind Frauen. Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, hat für sie oft höhere Priorität als bei Männern. Übernahme einer Einzelpraxis im Vollzeitjob? Viele winken ab.

Noch gibt es auf einer Deutschlandkarte der Ärzteplanung nur vereinzelt rote Flecken - sie zeigen akuten Ärztemangel in einzelnen Regionen an. Doch der Ruhestand von Zehntausenden Ärzten naht. Deshalb ging auch der scheidende KBV-Chef Andreas Köhler schon vor längerem mit dem Ruf nach Reformen in die Offensive: Ärzte sollten sich zum Beispiel verstärkt in Städten zusammentun und von dort mobil das Land versorgen. An einigen Tagen in der Woche könnte dann ein Hausarzt vor Ort sein, an den restlichen die wichtigsten Fachärzte.

Einfallsreichtum ist gefragt. Beispiel Sachsen-Anhalt: Hier gibt es bereits Filialpraxen, betrieben von der Kassenärztlichen Vereinigung. Ein Dienstplan regelt, wann welche Ärzte der Umgebung da sind. Selbst Mediziner im Ruhestand kommen zum Einsatz. Praxis-Assistentinnen sind das Bindeglied. Speziell ausgebaute Kleinbusse als rollende Arztpraxen und Hausbesuche speziell ausgebildeter Schwestern und Pfleger kommen in anderen Regionen hinzu. Und mehr und mehr wird auch in Krankenhäusern ambulant untersucht und behandelt.

Trotz allem - größer werdende Lücken und längere Wege drohen vielen Patienten. Es dauert Jahre, bis sich Planungen vom grünen Tisch aus oder Änderungen im Medizinstudium in den betroffenen Regionen niederschlagen. Und begleitet wird alles vom notorischen Streit der Spitzenfunktionäre, vor allem wenn es ums Geld geht. So vergessen die Kassen nicht, ihre Vorschläge pikant zu garnieren - mit dem Hinweis auf gestiegene Überschüsse der Praxen und Merkwürdigkeiten bei den Abrechnungen.

KBV-Chef Köhler formuliert als Abschiedsgruß vor dem bevorstehenden Ausscheiden aus seinem Amt: "Wenn die Krankenkassen es nicht als das wichtigste Ziel ansehen, ihren Versicherten die bestmögliche Versorgung zu bieten, dann gehören sie abgeschafft." Und Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands, verspricht, bessere Strukturen für verlässliche hausärztliche Versorgung zu schaffen. "Dabei stoßen wir leider immer noch auf viel Widerstand aus Kassenärztlichen Vereinigungen sowie etlichen Krankenkassen."

apa.at

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