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APA-Artikel 25. Februar 2014

Start für Medikationsmanagement in Deutschland

Je mehr Arzneimittel Patienten verschrieben bekommen, desto eher treten damit Probleme auf. In zwei deutschen Bundesländern soll jetzt ein strukturiertes Medikationsmanagement für Patienten eingeführt werden. Ärzte und Apotheker arbeiten dabei zusammen, hieß es Montagnachmittag bei der Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer in Schladming in der Steiermark (bis 28. März).

"Jedes wirksame Arzneimittel hat Nebenwirkungen. Wenn ein Arzneimitte keine Nebenwirkung hat, liegt der Verdacht sehr nahe, dass es auch keine Wirkung hat. Das beste Arzneimittel ist wirkungslos, wenn es nicht eingenommen wird", sagte Martin Schulz, Arzt und Apotheker und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker.

Auf der anderen Seite gibt es vor allem bei Mehrfachkranken, oft betagten Patienten, echte Probleme mit der bei ihnen notwendigen Anwendung vieler Arzneimittel. Das kann bei der Einnahme von mehr als eineinhalb Dutzend Tabletten pro Tag enden.

Schulz: "Nur die Hälfte der Arzneimittel wird so eingenommen, wie es sein sollte ("Non-Adhärenz"; Anm.). Das verursacht Therapieversagen, vermehrte Krankenhausaufenthalte und Mehrkosten."

Man müsse laut Studien davon ausgehen, dass 18 Prozent der Patienten Probleme mit den ihnen verschriebenen Medikamenten hätten. Sie träten bei jedem neuen Arzneimittel auf. Der Experte: "Und dabei erhalten in Deutschland 26 Prozent der Krankenkassenversicherten mehr als fünf Wirkstoffe." Neben- und Wechselwirkungen, Nichteinnahme oder falsche Einnahme sind damit bei einem hohen Prozentsatz der Patienten bedeutende Risikofaktoren.

Diesem Problem will man jetzt in Deutschland - zunächst in zwei Bundesländern, in Sachsen und in Thüringen - mit einem umfassenden Medikationsmanagement durch Ärzte und Apotheker mit Patienten, die mindestens fünf Dauermedikationen haben, für rund 50 Prozent der Krankenversicherten begegnen. Schulz: "Wir streben eine optimale Organisation des Medikationsprozesses an." Einerseits gäbe es immer mehr Hinweise, dass die Adhärenz der Patienten ("Therapietreue"; Anm.) einen weitaus größeren Vorteil für die Kranken brächte als die plötzliche Neueinführung verbesserter Medikamente, andererseits müsse man die Qualität der Arzneimittelbehandlung an sich verbessern.

In Deutschland soll das bei dem großen Projekt, das schließlich bundesweit ausgerollt werden soll, auf freiwilliger Basis erfolgen:

- Der Patient schreibt sich in das Programm bei einem Hausarzt und einer Apotheke ein.

- Vom Arzt bekommt der Patient die Aufzeichnungen über alle von ihm verschriebenen Arzneimittel.

- Der Apotheker fügt die sonstigen vom Patienten eingenommenen Medikamente etc.(rezeptfreie Arzneimittel) hinzu.

- Auch auf Krankenhäusern verordnete Arzneimittel und "Vorräte" des Patienten wird Rücksicht genommen.

- Auf der Basis der gesamten Informationen kommt es zu einer Analyse der Medikation. Es kommt zu einer Kontaktaufnahme zwischen Apotheker und Arzt.

- Daraus wird gemeinsam ein optimierter "Medikationsplan" erstellt.

- In einem intensiven Beratungsgespräch wird der Patient in der Apotheke aufgeklärt, bei Bedarf in der Einnahme der Medikamente geschult etc.

Alle drei Monate könne dann die jeweils aktuelle Situation des Patienten erneut evaluiert und Adaptionen durchgeführt werden. Für den Service werden Ärzte und Apotheker extra bezahlt. Schulz: "Das Honorar wird so sein, dass es Ärzten und Apothekern 'Spaß' macht, sich zu beteiligen."

apa.at

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