zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 24. Februar 2014

Chirurgen warnen vor Krankenhauskeimen

Bakterien, gegen die kein Antibiotikum mehr hilft, sind der Angstgegner vieler Ärzte. Und ihre Zahl nimmt zu. Die Chirurgen in Deutschland fordern daher neue Gesetze, damit neue Medikamente leichter auf den Markt kommen können.

Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen hat vor den zunehmenden Gefahren durch Krankenhauskeime gewarnt. Die Ärzte forderten beim Bundeskongress Chirurgie am Freitag in Nürnberg schärfere Gesetze im Kampf gegen multiresistente Keime. "Das neue Infektionsschutzgesetz reicht nicht aus, Herr des Problems zu werden", teilte der Verband mit. Wichtig sei, bereits bei der Entstehung der Keime anzusetzen und nicht erst im Krankenhaus zu handeln.

Den Angaben zufolge infizieren sich in Deutschland jährlich etwa 600 000 Menschen mit diesen Erregern. Etwa 22 000 sterben daran. Das größte Risiko haben Kinder, weil sie ein noch nicht voll ausgebildetes Immunsystem haben, und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem wie Alte oder Kranke.

"Infektionen, die durch sogenannte multiresistente Bakterien verursacht sind, sind nur noch durch wenige, im ungünstigen Fall gar keine Antibiotika mehr behandelbar", sagte Verbandsvizepräsidentin Julia Seifert. Die oft als Krankenhauskeime bezeichneten Erreger stammten selten aus den Kliniken selbst, sondern würden hineingeschleppt.

Für die Zunahme multiresistenter Keime gebe es mehrere Gründe: den vermehrten Antibiotika-Einsatz in der Tiermast und die Verunreinigung von importiertem Fleisch und Fisch. Auch Bauern und Tierärzte trügen die Erreger weiter. Touristen verbreiteten die Bakterien von Land zu Land. In vielen Ländern gelten nicht so strenge Hygiene-Vorschriften. Hinzu komme der laxe Umgang mit Antibiotika. In Italien und Griechenland etwa gäben Apotheken ohne Rezept Antibiotika heraus.

Der Verband fordert, dass die Zulassung von neuen Antibiotika vereinfacht wird. Lohnt sich die Entwicklung neuer Medikamente aus betriebswirtschaftlichen Gründen für die Pharma-Industrie nicht mehr, müssten Staat und Industrie diese Aufgabe gemeinsam übernehmen.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben