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APA-Artikel 24. Februar 2014

Medikationsmanagement als Apothekenprojekt

Wenn 2016/2017 - so geplant - die E-Medikation in Österreich startet, wollen die Apotheker die Nase als Experten vorn haben: Mit einem eigenen, bezahlten Beratungsprogramm als "Medikationsmanagement" für die Konsumenten, hieß es Sonntagabend bei der Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer (bis 28. Februar) in Schladming in der Steiermark.

"Bei mir war in der Apotheke vor kurzem ein Kunde mit 13 verschiedenen Medikamenten. Ich wollte 'Medikationsmanagement' betreiben, wie und in welchem zeitlichen Abstand die Arzneimittel eingenommen werden sollten. Ich habe auch mögliche Wechselwirkungen entdeckt. Der Patient hat gesagt: 'Herr Magister, tun Sie sich nichts an, alle 13 auf einmal. Die werden schon wissen, wo sie hin müssen'.", erzählte der Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Max Wellan, von seinen Erfahrungen bei einem Pressegespräch.

Marion Schaefer vom Institut für Klinische Pharmakologie der Charite in Berlin, zitierte aus einer Untersuchung des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Witten/Herdecke bei niedergelassenen Ärzten: Patienten erhielten neun verschiedene Medikamente pro Tag. 2,7 davon wiesen keine wissenschaftliche Begründung auf. Bei 56 Prozent der Patienten traten Dosierungsfehler auf, bei 59 Prozent wurden Interaktionen festgestellt. 37 Prozent der mehr als 65-Jährigen erhielten für ihr Alter bereits ungeeignete Arzneimittel.

Die Expertin: "Die Ärzte gaben an, sie fühlen sich 'überfordert'." Hier sollten die Apotheker ein Kooperationsangebot stellen. Doch auch die seien gefordert: "Wichtig ist, dass wir uns um den Nutzeffekt der Medikation beim einzelnen Patienten kümmern. Doch für jedes einzelne Arzneimittel gibt es zwischen 40 und 140 Informationen, die Apotheker parat haben müssten. Wir brauchen eine technische IT-Unterstützung. Es geht aber auch nicht ohne ein möglichst systematisch strukturiertes Medikationsmanagement."

Die Österreichische Apothekerkammer will deshalb mit dem aktuellen Start einer großen Ausbildungsinitiative ihr eigenes Medikationsmanagementprogramm ausrollen. Wellan: "2016/2017 wird die E-Medikation starten. Sie ist nur ein technisches Hilfsmittel. Sie ist eine Liste, die für den Patienten noch keinen Wert darstellt. Den Wert macht erst das Beratungsgespräch. Wir werden entsprechende Pilotprojekte mit Dokumentation durchführen. Ziel ist es, dass diese Leistung entsprechend vergütet wird."

Was die Österreichische Apothekerkammer nun vorantreibt, ist die Ausbildung ihrer Standesmitglieder in jeweils dreitätigen Seminaren. Intensives Medikationsmanagement soll auch nicht direkt an der Tara, dem Verkaufspult der Apotheken, betrieben werden.

Wellan: "Wir haben in der Apothekenbetriebsordnung ein Beratungszimmer vorgesehen. Das wollen wir mit Leben erfüllen." Das Projekt werde langsam anlaufen und sich zunächst auf besonders komplexe Fragestellungen bei mehrfach und chronisch Kranken konzentrieren. Es bedeute einen Kulturwandel. Die Apotheker träten nicht an, in die Therapie der Ärzte einzugreifen, aber optimieren könne man die vom Patienten wirklich durchgeführte Einnahme der Medikamente sicher in Kooperation.

"Medikamentenmanagement reduziert die gesamten Gesundheitskosten. In Minnesota (US-Bundesstaat) wurde belegt, dass ein Dollar, der in ein solches Programm investiert wurde, für die Krankenversicherung zwölf Dollar an eingesparten Kosten brachte", sagte Sonntagabend in Schladming bei der Tagung der Österreichischen Apothekerkammer der Präsident des US-Apothekerverbandes, Lawrence Brown.

In den USA schaue man sich in einem Stufenplan die Notwendigkeit einer Verschreibung, ihre Effektivität, Sicherheitsbelange (Dosierung etc.) und schließlich die "Passform" für den Patienten an. Auch das beste Arzneimittel werde nicht eingenommen, wenn es den Bedürfnissen des Kranken nicht gerecht werde, meinte Brown.

In der Schweiz - so Wellan - gibt es bereits die Möglichkeit, ein Beratungsgespräch beim Apotheker bezahlt zu bekommen, wenn es bei einem Patienten zur Verschreibung zahlreich Arzneimittel kommt und somit das Risiko für Neben- und Wechselwirkungen steigt. In Österreich könnte der Service bis zum "Einschachteln" der richtigen Medikation für jeden einzelnen Tag bei multimorbiden Patienten oder bis zum Verblistern von Tages-Einzeldosen gehen. Vor allem bei Pflegebedürftigen und dementen Patienten stellt allein schon die Verabreichung der jeweils richtigen Arzneimittel zum richtigen Zeitpunkt eine große Herausforderung dar.

Die deutsche Pharmaepidemiologin Marion Schaefer berichtete vom Nachweis des positiven Effekts des Arzneimittelmanagements für bestimmte Patienten: Asthma-Kranke an einer Spitals-Allgemeinstation, an einer Lungenabteilung und an einer Abteilung mit Beratung durch einen angestellten Apothekern zeigten folgendes Muster: Am kürzesten im Krankenhaus waren und die wenigsten Wiederaufnahmen hatten jene Patienten, die vom Apotheker eingehend beraten worden waren.

apa.at

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