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APA-Artikel 21. Februar 2014

Apotheker wollen mehr Geld von den Krankenkassen - Umsatz stagniert

Die rund 1.340 österreichischen Apotheken wollen mehr Geld von den Krankenkassen und warnen vor einem Stellenabbau bei den mehr als 16.000 Mitarbeitern. Der Apothekerverband brachte am Freitag in einer Pressekonferenz sogar Konkurse ins Spiel. 2012 waren 29 Prozent der Apotheken in der Verlustzone, Tendenz steigend, zogen die Apotheker Bilanz. Den Grund sehen sie bei den sinkenden Kassenspannen.

"Wir kommen im Moment in einen Bereich hinein, wo es für die Apotheken schon gefährlich wird", sagte Verbandsdirektor Sven Abart. "Da muss man dann irgendwann sagen: Stopp, halt! Liebe Gesundheitspolitik, liebe Krankenkassen, so geht es nicht mehr weiter." Der Verband betont, ein weiteres Absinken nicht mehr verkraften zu können. Die Krankenkassenspannen sind von 2007 bis 2013 von 19,5 auf 17 Prozent gesunken.

Die Krankenkassen sind mit einem Anteil von 70 Prozent die wichtigsten Umsatzbringer der Apotheken. Den restlichen 30 Prozent des Gesamtumsatzes machen sie mit rezeptfreien Medikamenten oder mit Nahrungsergänzungsmitteln, Kosmetika und Co. 2013 wurden 105 Millionen Medikamenten-Packungen abgegeben, nach 104,2 Millionen 2012. Der Kassenumsatz stagnierte bei 2,33 Mrd. Euro, nach 2,31 Mrd. Euro im Jahr davor - ein minimales Plus von 1,1 Prozent. Um die reale Ertragskraft auf Vorjahresniveau halten zu können, hätte das Wachstum 4,4 Prozent betragen müssen, rechnete der Apothekerverband vor. Auch der Einsatz von Generika anstatt der teuren Original-Medikamente belaste den Umsatz.

Die Gewinnspanne (Ebit-Marge) bei den Apotheken liege aktuell unter dem Strich bei "zwei, drei Prozent", erklärte Abart. Die Umsatzrentabilität mit Zahlen aus 2012 zeige, dass 29 Prozent der Apotheken zwischen 5 und 10 Prozent des Umsatz als Gewinn ausweisen. Allerdings schreibt ein Zehntel der Apotheken einen Verlust von mehr als 5 Prozent des Umsatzes. Abart geht davon aus, dass 2013 noch mehr Apotheken in die Verlustzone gerutscht sind. Vor allem in grenznahen, bevölkerungsschwachen Regionen sei die Situation "kritisch".

"Die Ertragssituation zerrt an der Substanz", warnt Abart. Von 2011 auf 2012 ist die Eigenkapitalquote von 7,3 auf 4,2 Prozent gesunken. Vor zehn Jahren seien es noch 12 Prozent gewesen. Zum Vergleich: Im Einzelhandel liegen die Eigenkapitalquoten im Schnitt bei rund 30 Prozent. Das Apothekengeschäft sei zwar grundsätzlich kapitalintensiv, räumte Abart ein, dennoch seien Neuinvestitionen und Finanzierungen gefährdet.

Die Apotheker betonten, mit den Nachtdiensten und der Hauszustellungen Dienstleistungen für die Allgemeinheit anzubieten, die sich wirtschaftlich nicht rechnen. Sie hätten seit 1995 rund 1,7 Mrd. Euro zur Sanierung der Krankenkassen beigetragen. Jetzt, wo die Krankenkasse Gewinne schreiben - 2013 erzielten sie einen Überschuss von 186 Mio. Euro - sehen die Apotheker eine Chance, die "Talfahrt" bei den Kassenspannen zumindest zu stoppen. Außerdem sei man mit den Krankenversicherungen in ersten Gesprächen über neue, zusätzliche Dienstleistungen - Stichwort: Medikationsmanagement.

Auch mit einem neuen Vertriebskanal über das Internet ("Click and Collect"), bei dem rezeptfreie Arzneien online bestellt werden und dann in den Apotheken abgeholt werden, wird versucht, die stagnierenden Umsätze anzukurbeln. Das System soll heuer im April starten, mehr als zwei Drittel der Apotheken seien an Bord. Ziel ist es, die Internet-User in die Apotheken zu holen. Preisliche Anreize soll es aber nicht geben. Im Frühjahr 2015 dürfte nach Einschätzung des Apothekerverbands dann der Versandhandel mit rezeptfreien Mitteln starten.

Festgehalten wurde zudem, dass ein Preiswettbewerb im Gesundheitssektor nichts verloren habe und dass der Gebietsschutz - oder die "bedarfsorientierte Verteilung", wie es der Verband nennt - seine Berechtigung habe. Das sei auch zuletzt vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) bestätigt worden. So interpretieren zumindest die Apotheker das Urteil zu den Apothekenkonzessionen in Österreich.

apa.at

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