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APA-Artikel 20. Februar 2014

Experte: Nachholbedarf bei Versorgung von Morbus-Crohn-Patienten

Die Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen - vor allem Morbus Crohn und Colitis ulcerosa - werden in Österreich nicht immer optimal versorgt. Dies stellte der Wiener Experte Gottfried Novacek von der Universitätsklinik für Innere Medizin III im AKH am Donnerstag bei der Eröffnung des Kongresses der Europäischen Morbus Crohn- und Colitis-Organisation (ECCO) in Kopenhagen fest.

In Österreich leben mindestens 40.000 Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED), für die im Rahmen des ECCO in Kopenhagen (20. bis 22. Februar) jetzt konkrete Versorgungsziele definiert wurden. Diese sollten in vollem Umfang auch für Österreich gelten, forderte Novacek, Leiter der Arbeitsgruppe CED der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH).

Der Fachmann: "Vielleicht nimmt die heimische Politik die europäische Initiative, die durch ECCO angestoßen wird, zum Anlass, die Versorgung der österreichischen CED-Patienten zu verbessern. Wir haben in Österreich in der Versorgung von CED-Patienten Nachholbedarf. Vor allem die fehlende Abstimmung zwischen Spitälern und niedergelassenen Ärzten führt dazu, dass versorgungswissenschaftlich sinnvolle Lösungen nicht zustande kommen. Die Zielsteuerungsverträge des Bundes und der Länder bieten die Möglichkeit, eine gute Versorgung von CED als klares Ziel zu definieren. Von dieser Möglichkeit sollte im Sinne der Betroffenen Gebrauch gemacht werden."

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen begännen meist im Jugend- und jungen Erwachsenenalter und würden die Betroffenen als chronische Erkrankungen lebenslang belasten. Die Ursachen lägen in der Genetik, in Umweltfaktoren, Veränderungen der Zusammensetzung der Darmflora und in immunologischen Faktoren. Eine mangelhafte Kontrolle der Erkrankung verursacht durch ständigen Durchfall, Bauchschmerzen, Gewichtsabnahme, Fieber und Gelenkschmerzen eine extreme Beeinträchtigung der Lebensqualität. Oft müssen die Patienten dann auch immer wieder operiert werden.

Im Rahmen des ECCO-Kongresses wurden folgende Ziele definiert:

- Patienten mit CED sollen mit dem Ziel behandelt werden, die Entzündung zu kontrollieren und ein Fortschreiten der Krankheit zu verhindern.

- Die Betroffenen müssen Zugang zu einer spezialisierten und multidisziplinären Versorgung haben.

- Patienten sollten auch schnell in eine spezialisierte Versorgung. Dies soll eine frühe Diagnose ermöglichen.

- Es muss die Möglichkeit für Patientenschulungen geben. Der Zugang zu allen möglichen Therapien muss gewährleistet sein, ebenso eine Information über laufende wissenschaftliche Studien, an denen sie teilnehmen können.

- In der Patientenversorgung Tätige und Gesundheitsbehörden sollen die Rolle der Patientenselbsthilfegruppen unterstützen.

- Regierungen und Gesundheitsbehörden sollten sicherstellen, dass die Versorgung von CED ausreichend gewährleistet wird.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED), deren Hauptformen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind, sind derzeit nicht heilbar, jedoch durch Behandlung zumeist beherrschbar. Das Repertoire der medikamentösen Therapie reicht bis zum Einsatz von Immunsuppressiva und Biotech-Medikamenten. Eine gute Versorgungsstruktur, die eine rasche Diagnose und eine effektive Behandlung ermöglicht, sei nicht nur für die betroffenen Patienten essenziell, sondern könne auch Kosten sparen helfen.

apa.at

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