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APA-Artikel 13. Februar 2014

D: Debatte um Ende der Rezeptpflicht für "Pille danach" ebbt nicht ab

Die Debatte um ein Ende der Rezeptpflicht für die "Pille danach" ebbt nicht ab. Während die Union und die Ärzteschaft am Donnerstag ihre ablehnende Haltung bekräftigten, machen sich neben der Opposition auch zahlreiche Verbände für eine Aufhebung der Verschreibungspflicht stark. Auch im Bundestag stand die "Pille danach" am Donnerstag auf der Tagesordnung.

Das Nationale Netzwerke Frauen und Gesundheit kritisierte die ablehnende Haltung von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zur Freigabe der "Pille danach". "Mädchen und Frauen wird in Deutschland nicht zugetraut, selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu entscheiden, ob sie die Pille danach benötigen", heißt es in einer Stellungnahme des Netzwerkes, dem unter anderem Pro Familia und der Deutsche Hebammen Verband angehören.

Zu den Befürwortern zählt auch der in der Schwangerenberatung tätige katholische Laienverein "Donum Vitae" Nordrhein-Westfalen. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" vom Donnerstag zitierte aus einer Stellungnahme der Landesvorsitzenden Ursula Heinen-Esser, die in der bestehenden Rezeptpflicht "eine unnötige Hürde für eine rasche Anwendung" sieht. Die Freigabe sei "keine medizinische, sondern eine ethisch-moralische Frage", heißt es weiter. Damit stellt sich die Organisation gegen die offizielle Haltung der katholischen Bischöfe.

Die "Pille danach" ist in der schwarz-roten Koalition umstritten. Während SPD-Politiker eine Ende der Rezeptpflicht fordern, lehnt Gröhe dies mit Verweis auf mögliche schwere Nebenwirkungen ab. Er will an der ärztlichen Beratung festhalten. Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn bekräftigte dies. Es gehe nicht darum, das Selbstbestimmungsrecht der Frauen einzuschränken, sondern um den Schutz ihrer Gesundheit, erklärte Spahn am Donnerstag in Berlin.

Der Ärzteverband Hartmannbund warf den Befürwortern einer Freigabe der Pille medizinische Verantwortungslosigkeit vor. "Hier geht es nicht um ein gesellschaftspolitische Für oder Wider, sondern um medizinische Sorgfaltspflicht", erklärte Verbandschef Klaus Reinhardt. Auch Ärzte-Präsident Frank-Ulrich Montgomery hatte zuvor vor einer rezeptfreien Abgabe der "Pille danach" gewarnt.

Linkspartei und Grüne forderten in zwei Anträgen, über die der Bundestag am Donnerstagabend debattieren wollte, dass Frauen das Präparat auch ohne Rezept in der Apotheke bekommen sollten. In Notsituationen soll ihnen damit ein schnellerer Weg zur Verhinderung ungewollter Schwangerschaften eröffnet werden.

Ein Expertenausschuss des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte vor kurzem empfohlen, die Verschreibungspflicht für ein Präparat auf Basis des Wirkstoffes Levonorgestrel aufzuheben. Es kann eine Schwangerschaft verhindern, wenn es bis spätestens 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Der Bundesrat hatte bereits 2013 für eine Aufhebung der Verschreibungspflicht gestimmt.

Das Mittel kann eine Schwangerschaft verhindern, wenn es bis spätestens 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird. In Deutschland gibt es noch ein anderes Präparat mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat, das bis zu 120 Stunden nach dem ungeschützten Sex wirksam ist. Dieses Mittel wäre weiterhin verschreibungspflichtig.

Laut "Bild"-Zeitung vom Donnerstag wurde die "Pille danach" im vergangenen Jahr 463.000 Mal verschrieben. Das Blatt beruft sich auf Daten des Marktforschungsinstitutes IMS Health.

apa.at

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