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APA-Artikel 13. Februar 2014

Sterbehilfegesetze sind in Europa sehr unterschiedlich

Monatelang haben Politiker und Ärzte in Belgien darüber gestritten, ob nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche ein Recht auf Sterbehilfe haben sollen. Am Donnerstagabend soll das Parlament in Brüssel die Frage beantworten - und allgemein wird eine Zustimmung erwartet. Belgien geht damit weiter als die meisten europäischen Länder. Vorschriften zur Sterbehilfe sind derzeit in Europa sehr unterschiedlich.

AKTIVE STERBEHILFE, also die Tötung eines Menschen auf Verlangen, ist in den meisten EU-Staaten verboten, Ausnahmen bilden Belgien, die Niederlande und Luxemburg. BEIHILFE ZUM SUIZID, etwa das Beschaffen von tödlichen Medikamenten, die der Patient dann selbst einnimmt, sind in einer Reihe von Ländern erlaubt oder werden zumindest geduldet. INDIREKTE STERBEHILFE, beispielsweise das Verabreichen starker Schmerzmittel, die den Tod beschleunigen können, ist in vielen EU-Staaten zulässig. Voraussetzung dafür ist aber oft eine Patientenverfügung. Das gleiche gilt für PASSIVE STERBEHILFE, also den Verzicht auf lebenserhaltende Maßnahmen.

In DEUTSCHLAND ist aktive Sterbehilfe verboten, Beihilfe zum Suizid dagegen straffrei. Die Grenzen zwischen den "verschiedenen Formen der Mitwirkung beim Sterben" seien jedoch oft "fließend und schwer zu bestimmen", erklärt der deutsche Ethikrat. Im Bundestag wird daher ein neues Gesetz zur Sterbehilfe vorbereitet. Dazu soll zunächst in diesem Jahr eine gründliche Debatte zu dem Thema stattfinden.

In den NIEDERLANDEN, BELGIEN und LUXEMBURG ist aktive Sterbehilfe durch den Arzt erlaubt. Voraussetzung sind eine unweigerlich zum Tod führende Krankheit des Patienten und dessen ausdrückliche Willensäußerung. Außerdem müssen die Betroffenen voll zurechnungsfähig sein. Über die Zulässigkeit der Tötung entscheidet eine Kontrollkommission aus Ärzten, Juristen und Ethikbeauftragten.

In den NIEDERLANDEN gilt diese Regelung bereits für Kinder ab zwölf Jahren. Das neue Gesetz in BELGIEN sieht Sterbehilfe nun ebenfalls für Kinder und Jugendliche vor, ohne jedoch ein Mindestalter zu benennen. Voraussetzung ist, dass minderjährige Patienten "urteilsfähig" sind, an einer unheilbaren Krankheit im Endstadium leiden und unerträgliche Schmerzen haben. Sie müssen zudem von Ärzten und einem Psychiater oder Psychologen beraten werden. Außerdem müssen die Eltern zustimmen.

Die SCHWEIZ nimmt die Beihilfe zum Suizid hin, sie ist aber nicht ausdrücklich erlaubt. Laut Gesetz ist es strafbar, jemandem "aus selbstsüchtigen Beweggründen" bei der Selbsttötung zu helfen. Wird dem Helfer aber kein solcher Beweggrund nachgewiesen, wird er nicht bestraft. Organisationen wie "Exit" und "Dignitas" bieten Beihilfe zum Suizid als eine Art Dienstleistung an. Aktive Sterbehilfe ist hingegen auch in der Schweiz verboten.

In FRANKREICH dürfen Ärzte einen unheilbar kranken Patienten "sterben lassen", sein Leben aber nicht aktiv beenden. Einem "Gesetz über Patientenrechte am Lebensende" vom Jahre 2005 zufolge kann ein Patient auf eigenen Wunsch schmerzstillende Mittel bekommen, auch wenn diese seinen Tod beschleunigen können. Die Ärzte dürfen auch lebensverlängernde Maßnahmen - wie künstliche Beatmung - einstellen.

Derzeit wird über ein Gesetz zur Sterbehilfe diskutiert, wie es Staatspräsident François Hollande vor zwei Jahren im Wahlkampf versprochen hatte. Ein im Auftrag Hollandes eingesetztes Bürgergremium sprach sich im Dezember dafür aus, Beihilfe zum Suizid für sterbende oder unheilbar kranke Patienten zuzulassen. Auch aktive Sterbehilfe wie das Verabreichen eines tödlichen Medikaments durch Ärzte oder Familienangehörige, will das Gremium unter bestimmten Voraussetzungen erlauben.

In GRIECHENLAND, wo die orthodoxe Kirche sehr einflussreich ist, gilt Sterbehilfe als Beleidigung Gottes und ist streng verboten. Auch Beihilfe zu Suizid ist nicht erlaubt. Im katholischen POLEN sind nicht nur alle Arten von aktiver oder passiver Sterbehilfe untersagt, sondern auch Beihilfe zur Selbsttötung. Wer gegen diese Vorschriften verstößt, nimmt mehrjährige Freiheitsstrafen in Kauf.

apa.at

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