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APA-Artikel 13. Februar 2014

Britisches Gesundheitswesen verfehlt 85 Prozent der COPD-Diagnosen

Das britische Gesundheitswesen - oft gepriesen von Gesundheitsökonomen und Health-Technology-Experten - kommt immer schlechter weg. Nach schweren Defiziten bei Krebs und schlechten Ergebnissen bei Herzinfarkten zeigt eine neue Untersuchung: Bis zu 85 Prozent der COPD-Patienten ("Raucherlunge") werden nicht früh genug diagnostiziert, wie "Lancet Respiratory Medicine" berichtete.

"Die erhebliche Zahl der Patienten mit falscher oder gar nicht erfolgter Diagnose in dieser Studie beunruhigt. Es ist wichtig, dass die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD; Anm.) so früh wie möglich erkannt wird, damit eine effektive Behandlung erfolgen kann, um Lungenschäden zu verhindern, die Lebensqualität zu erhöhen und sogar die Lebenserwartung zu vergrößern", erklärte Rupert Jones von der Universität Plymouth zu seiner Studie.

An sich ist die chronisch obstruktive Lungenerkrankung - zumeist Folge des Rauchens und als "Raucherhusten" beginnend - per einfacher Lungenfunktionsprüfung sehr leicht zu diagnostizieren. Die österreichischen Lungenspezialisten und auch die Allgemeinmediziner kämpfen seit Jahren für die Möglichkeit, die Frühdiagnostik durch eine solche Spirometrie auf Krankenkassenkosten voranzutreiben. Das ist flächendeckend bisher ausgeblieben.

Die Ergebnisse der Studie, so die Autoren: In den fünf Jahren vor der endgültigen Diagnose der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung sind 85 Prozent der Patienten entweder bei ihrem Hausarzt oder bei einem fachärztlichen Versorgungszentrum gewesen. Der Grund dafür waren Probleme mit den unteren Atemwegen. Die Möglichkeiten zur Diagnose waren in den voran gegangenen sechs bis zehn Jahren bei 58 Prozent der Betroffenen und in den elf bis 15 Jahren vorher bei 42 Prozent der Betroffenen nicht genutzt worden."

Das britische Gesundheitsministerium schätzte, dass in Großbritannien rund 2,2 Millionen COPD-Patienten ohne entsprechende Diagnose und Therapie leben. Dabei könnte die frühe Behandlung laut dem staatlichen Gesundheitswesen jährlich rund 100 Millionen Pfund (120,25 Mio. Euro) ersparen. An sich gilt das britische Gesundheitswesen seit den Tagen des Thatcherismus als besonders kostenbewusst.

Auch ein Viertel der Österreicher haben eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). "2005 haben wir in Salzburg mit der BOLD-Studie gezeigt, dass 26 Prozent der Erwachsenen an einer COPD leiden. Zehn Prozent sollten behandelt werden. Aber 80 Prozent wissen nichts von ihrer Erkrankung. Wenn wir die Patienten in die Klinik bekommen, hat die überwiegende Zahl von ihnen bereits 50 Prozent ihres Lungenvolumens verloren", sagte dazu beispielsweise der Salzburger Lungenspezialist Michael Studnicka.

Eine im "Lancet" veröffentlichte Studie hat erst vor ein paar Wochen gezeigt, dass in Großbritannien die 30-Tages-Mortalität von Herzinfarktpatienten um 37 Prozent höher liegt als in Schweden. Im Dezember zeigte eine andere Studie, dass in Großbritannien die Krebs-Überlebensraten bei zahlreichen bösartigen Erkrankungen wesentlich schlechter als zum Beispiel in Österreich oder anderen vergleichbaren Staaten sind.

apa.at

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