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APA-Artikel 27. Jänner 2014

Cannabis - Zum größten Teil Ausprobier-Konsumenten

Die österreichische Bevölkerung hat im Querschnitt immer mehr Cannabis-Erfahrung. Zum größten Teil handelt es sich dabei aber um Probier-Konsum, der auch wieder beendet wird. Dies erklärte der Beauftragte für Sucht- und Drogenfragen, Hans Haltmayer, gegenüber der APA.

"Wir sehen einen Anstieg in der Lebenszeitprävalenz von Cannabis-Konsum. 2011 gaben in Wien beispielsweise 21 Prozent der über 15-Jährigen an, zumindest einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert zu haben, 2013 waren es 24 Prozent. Doch wenn man sich das genauer ansieht, dann liegt bei den meisten dieser Personen der Konsum schon drei oder mehr Jahre zurück", sagte der Arzt.

Heranwachsende würden Cannabis ausprobieren - und dann zumeist wieder damit aufhören. Haltmayer: "Gerade deshalb muss man informieren und aufklären. Klar ist, dass auch Cannabis dem Suchtmittelgesetz unterliegt. Auch die medizinischen Aspekte und Risiken muss man den Menschen mitteilen. Prohibition allein ist keine Prävention."

Bei einem kleinen Teil der Cannabis-Konsumenten entwickelt sich im Laufe von Jahren eine Suchterkrankung. Doch das hat laut dem Experten einen ganz anderen Hintergrund: "In der Regel sind das Patienten mit schweren psychischen Grunderkrankungen, wie schweren Depressionen, schwere Angststörungen oder posttraumatischen Belastungsstörungen. Sie bemerken beim Probierkonsum, dass ihnen Cannabis Erleichterung verschafft und geraten in den fortgesetzten Konsum."

Der Sucht- und Drogenbeauftragte der Stadt Wien: "In der Regel bleibt es bei diesen Patienten nur selten beim Cannabis." Im Zuge dieser Quasi-Selbstbehandlung würde schnell auch zu gefährlicheren Drogen gegriffen. Doch deshalb könne man bei Cannabis nicht wie ehemals von einer "Einstiegsdroge" reden. Im Ambulatorium der Suchthilfe Wien sind Cannabis-Konsumenten nicht die vorrangige Klientel. Haltmayer: "Für unsere Patienten ist Cannabis nicht das Hauptproblem. Sie nehmen viel schwerwiegendere Substanzen."

Die Hanfprodukte würden in solchen Fällen am ehesten noch im Rahmen von Mischkonsum auftauchen, was die Sache natürlich risikoreicher mache. Der Experte: "Je mehr Substanzen eingenommen werden, desto unabsehbarer sind die Folgen." Cannabis als auslösender Faktor für Psychosen betreffe vor allem Personen, die an sich für solche Erkrankungen vulnerabel seien.

Haltmayer steht einer Legalisierung von Cannabis skeptisch gegenüber: "Aus medizinischer Sicht ist Cannabis keine Substanz, die frei zugänglich sein sollte." THC sei ein potenter Stoff. Aber, so der Experte. "Entkriminalisierung ist ein wichtiges Thema. Wir haben in Wien mit dem Grundsatz 'Therapie statt Strafe' sehr gute Erfahrungen gemacht." Es wird im Falle einer Anzeige in jedem Einzelfall geprüft, ob diese zurückgelegt werden könne und ob eventuell medizinische Maßnahmen angeraten wären.

apa.at

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