zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 27. Jänner 2014

Cannabis - Österreich setzt auf Entkriminalisierung

"Aktuell steht in Österreich keine Diskussion über eine Legalisierung von Cannabis an. Österreich geht mit "Therapie statt Strafe" seit Jahrzehnten einen Weg, der zu einer weitgehenden Entkriminalisierung führt, wenn es sich um den Besitz für eigenen Konsum handelt", sagte die Bundesdrogenkoordinatorin Johanna Schopper im Gespräch mit der APA.

In der internationalen Diskussion wird oft die medizinische Anwendung von Cannabis bzw. von THC-haltigen Arzneimitteln mit dem Konsum als Droge vermischt. In Österreich ist das klar geregelt. Die Expertin: "Medikamente aus Cannabis-Extrakten sind eine Angelegenheit des Arzneimittelrechts. Sie werden für die Zulassung geprüft. Ein solches Medikament wurde auch in Österreich zugelassen."

In der Verwendung als Droge aber bleibt Cannabis in Österreich grundsätzlich illegal. Besitz und Weitergabe sind strafbar. Doch das österreichische Justizsystem setzt bei Besitz für den eigenen Konsum auf Entkriminalisierung. Johanna Schopper: "Die Staatsanwaltschaft legt im Rahmen der Diversion die Anzeige zurück."

Parallel allerdings prüft die Gesundheitsbehörde im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung, ob beim Angezeigten individuelle Risiken für gesundheitlich problematische Konsumentwicklung vorliegen und "gesundheitsbezogene" Maßnahmen notwendig sein könnten. Erforderlichenfalls wird ärztliche oder psychosoziale Hilfe innerhalb der Probezeit im Rahmen der Diversion von ein bis zwei Jahren von der Justiz als Auflage erteilt. Aber nicht immer sind bei Probier- oder nur sporadischem Konsum gesundheitsbezogene Maßnahmen notwendig.

Johanna Schopper: "Das klappt im Grunde, allerdings gibt es Unterschiede bei der Vorgangsweise der Gesundheitsbehörden in den Bundesländern. Unsere Daten haben auch gezeigt, dass jene 40 Prozent der Cannabis-Konsumenten deren Anamnese ("Krankengeschichte"; Anm.) niederfrequenten Konsum ausweist, häufiger über gesundheitsbezogene Auflagen in das Behandlungssystem kommen und oft längere Auflagen haben als hochfrequent Konsumierende." Ein eigenes Handbuch für die Gesundheitsbehörden soll diese nun bei der Treffsicherheit unterstützen und zu einer größeren Vereinheitlichung der Vollzugspraxis führen.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben