zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 23. Jänner 2014

Team Stronach ortet Problem durch Antidepressiva-Gebrauch bei Kindern

Das Team Stronach hat eine parlamentarische Anfrage an Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) betreffend "Antidepressiva für Kinder" eingebracht. Die Partei sprach am Donnerstag aufgrund der Beantwortung durch den Ressortchef von erschreckenden Zahlen. Laut dem Gesundheitsministerium gibt es aber keine Hinweise für deutlich gestiegene Verschreibungen.

"Die Zahlen sind erschreckend: So ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen (0-19 Jahre), die Antidepressiva erhalten haben, von 36.289 im Jahr 2009 auf 40.716 im Jahr 2012 angestiegen. Massiv ist der Anstieg bei der Gruppe der bis Vierjährigen: von 1.584 im Jahr 2009 auf 2.214 im Jahr 2012", hieß es in der Aussendung des Team Stronach. Klubobfrau Kathrin Nachbaur kommentierte: "Die Anzahl an Kindern und Jugendlichen, die Antidepressiva erhalten ist dramatisch hoch. Mit Medikamenten werden nur die Auswirkungen unterdrückt, aber es gibt niemanden, der sich um die Ursachen kümmert. Pillen für überaktive Kinder sind jedenfalls der falsche Weg. Ein Teil des Problems ist, dass manche Ärzte sofort Pillen verschreiben."

Antidepressiva werden allerdings nicht für "überaktive Kinder" verschrieben, sondern dienen ausschließlich der Behandlung schwerer Depressionen. Die Beantwortung der parlamentarischen Anfrage durch Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) umfasst auch Verschreibungsdaten von acht Gebietskrankenkassen (ohne Tirol) sowie von drei "kleinen" bundesweiten Krankenkassen. Im Gesundheitsministerium hieß es am Donnerstag dazu gegenüber der APA, dass man aus den Daten keinesfalls eine dramatische Entwicklung bei der Verschreibung von Antidepressiva erkennen könne. Außerdem seien die Verschreibungsdaten allein nicht aussagekräftig.

Das Ministerium sieht die Sachlage aufgrund der vorliegenden Daten deutlich anders als das Team Stronach. In der Altersgruppe der bis zu Zehnjährigen sei eher eine Reduktion der Verschreibung von Antidepressiva zwischen 2009 und 2012 erkennbar, bei den 14- bis 18-Jährigen eher eine stabile Situation. Zum Beispiel wies die Salzburger Gebietskrankenkasse bei den unter Zehnjährigen einen Rückgang der Zahl der Verordnungen für Antidepressiva von hundert im Jahr 2008 auf 66 im Jahr 2010 aus. Bei den Elf- bis 20-Jährigen waren es mit 2.331 bzw. 2.476 annähernd gleich viele. Auch aus den Daten der bundesweiten Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB) lässt sich kein steigender Trend - eher ein fallender - ablesen. So wurden 2009 86 Antidepressiva-Verschreibungen bei bis Vierjährigen registriert, 2013 waren es 30.

Kinder leiden insgesamt viel seltener an Depressionen als Erwachsene, oft werden diese Erkrankungen aber nicht erkannt. Die Stichtagsprävalenz (Häufigkeit an einem bestimmten Tag, Anm.) der Depression beträgt drei bis fünf Prozent in der Bevölkerung, die Lebenszeitprävalenz (zumindest einmal auftretende Depression während des Lebens, Anm.) liegt bei Frauen bei zehn bis 25 Prozent, bei Männern bei fünf bis zwölf Prozent. Unter Kindern leiden weniger als drei Prozent an Depressionen, unter den Jugendlichen 0,4 bis 6,4 Prozent.

Einig sind sich die österreichischen Psychiater darin, dass Antidepressiva - genauso wie andere Arzneimittel zur Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen - bei Kindern möglichst restriktiv eingesetzt werden sollten. Depressionen im Kindes- und Jugendalter werden vor allem per Psychotherapie behandelt. Antidepressiva sollten nur unter strengsten Anwendungskriterien verwendet werden, betonte beispielsweise der Grazer Jugendpsychiater Hans Andritsch im März 2012 bei der wissenschaftlichen Tagung der Österreichischen Apothekerkammer.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben