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APA-Artikel 23. Jänner 2014

Kassen fordern Aus für Göttinger Transplantationsmedizin

Sollen Ärzte in Göttingen nach dem Skandal um Manipulationen bei der Organvergabe weiter Lebern transplantieren dürfen? Trotz neuer Strukturen müsse die Abteilung geschlossen werden, forderte der niedersächsische Verband der Ersatzkassen.

Krankenkassen und Patientenvertreter haben die Schließung der Göttinger Transplantationsmedizin als Konsequenz aus dem Organspende-Skandal gefordert. "Die Medizinische Hochschule Hannover kann die Aufgaben ohne Probleme übernehmen", sagte der Leiter des niedersächsischen Verbandes der Ersatzkassen (VdEK), Jörg Niemann, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Die Unklinik Göttingen wies die Forderung nach einer Schließung entschieden zurück.

Die Abteilung der Uniklinik Göttingen war wegen Manipulationen bei der Organvergabe 2011 in die Schlagzeilen geraten. Der verantwortliche Leberchirurg steht unter anderem wegen versuchten Totschlags in elf Fällen vor dem Landgericht Göttingen.

Es sei längst überfällig, Göttingen das Transplantieren zu verbieten, sagte Peter Fricke, Vorsitzender des Bundesverbandes der Organtransplantierten, der dpa. Die Politik müsse sich des Themas annehmen.

Seit Bekanntwerden des Skandals ist die Spendenbereitschaft der Deutschen dramatisch gesunken. Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, appellierte an die niedersächsische Landesregierung, das Transplantationsangebot neu zu organisieren.

Der Sprecher von Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) sagte: "Wir halten eine Kooperation in der Transplantationsmedizin zwischen der Medizinischen Hochschule Hannover und der Universitätsmedizin Göttingen für sinnvoll. Wir erwarten einen gemeinsamen Vorschlag, den wir dann mit den Hochschulen beraten." Bei den Unikliniken treffen Wissenschafts- und Gesundheitsministerium zusammen die Entscheidungen.

Die Unklinik Göttingen wies die Forderung nach einer Schließung entschieden zurück. Das Lebertransplantationsprogramm sei neu aufgestellt und von Gutachtern geprüft worden, hieß es in einer Stellungnahme. Nach Antritt eines neuen Leiters habe es im Jahr 2012 von April an 13 und 2013 insgesamt 15 Lebertransplantationen gegeben, sagte ein Sprecher. Die Klinik sei zuversichtlich, die vorgeschriebene Mindestanzahl von 20 Transplantationen im Jahr bald wieder zu erreichen.

apa.at

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