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APA-Artikel 17. Jänner 2014

MedUni Wien: Klinikärzte gehen kommenden Dienstag auf die Straße

Die Klinikärzte der MedUni Wien am AKH intensivieren ihren Protest gegen die von Rektor Wolfgang Schütz geplanten und zum Teil gestarteten Kürzungen der Journal-Nachtdienste. Kommenden Dienstag werden sie - so eine Aussendung der Wiener Ärztekammer am Freitag - in Wien-Alsergrund eine "Betriebsversammlung" auf offener Straße abhalten.

Laut der Aussendung geht es in der Diskussion vor allem um die mit den Kürzungen - elf Journal-Nachtdienste sind mit Anfang des Jahres bereits abgeschafft worden - "verbundene weitere personelle Ausdünnung in Österreichs größtem Spital". Erstmals finde deshalb eine Betriebsversammlung außerhalb des AKH statt: am Dienstag (21. Jänner), ab 8.00 Uhr in der Spitalgasse 23 in Wien-Alsergrund. Es würden wahrscheinlich mehrere hundert Ärzte teilnehmen.

"Organisiert wird die Betriebsversammlung von der Wiener Ärztekammer für den Betriebsrat der Medizinischen Universität Wien (wissenschaftliches Personal; Anm.)", hieß es in der Aussendung. Das Wort ergreifen würden unter anderem der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres sowie der Betriebsratsobmann, Thomas Perkmann. Eingeladen seien auch Rektor Wolfgang Schütz und der Leiter der Exekutivkommission des Primarärztekollegiums, Christoph Zielinski. Man rechne mit bis zu 1.000 Teilnehmern. Die Spitalgasse werde für die Zeit der Betriebsversammlung gesperrt sein.

Die Vorgeschichte: Zunächst gab es Mitte Oktober vergangenen Jahres heftige Proteste wegen der Auswirkungen der zwischen dem Betriebsrat des wissenschaftlichen Personals und der MedUni Wien in Person von Rektor Wolfgang Schütz abgeschlossenen Betriebsvereinbarung. Die Ärzte im Journal-Nachtdienst gehen seither nach 25 Stunden aus dem patientenbezogenen Dienst und sollen sich im Nachtdienst eventuell noch der Forschung etc. widmen. Das Ergebnis: Es fehlten jeden Vormittag 173 Ärzte für den Routinebetrieb inklusive der Ambulanzen.

Die nächste Stufe der Auseinandersetzungen: Nach einem vor zwei Jahren nicht gelungenem Versuch, 24 dieser Journal-Nachtdienste zu streichen, startete der Rektor mit Anfang des Jahres einen neuerlichen Anlauf: Entfall von elf Nachtdiensten, dafür das Versprechen der Aufnahme von 22 Ärzten zusätzlich. Ende vergangene Woche gab es ein Treffen zwischen den Primarärzten und dem Rektor. Der Betriebsrat des wissenschaftlichen Personals der MedUni Wien hat die Beschäftigten aufgerufen, interne Anzeigen wegen durch die Journal-Nachtdienstkürzungen entstehenden Problemen zu machen.

Mittlerweile macht sich offenbar auch Unruhe unter Patienten bzw. bestimmten Patientengruppen bemerkbar. Ein Beispiel sind Schmerzpatienten. Im Rahmen der ersten Journal-Nachtdienstkürzungen wurde nämlich der Dienst eines Assistenzarztes im 24-Stunden-Schmerzdienst der Klinischen Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerztherapie beseitigt. Im Rahmen dieses Dienstes - 1993 als erster derartiger in einem österreichischen Krankenhaus eingerichtet - wurden rund um die Uhr besonders schwer zu behandelnde Patienten betreut. Laut Betriebsobmann Perkmann liegt dazu bereits eine Beschwerde vor.

Bei der Wiener Selbsthilfegruppe Schmerz haben sich jedenfalls bereits mehrere Patienten beunruhigt gemeldet. Sprecherin Susanne Fiala gegenüber der APA: "Wenn dem so ist, dass stationär im AKH aufgenommene Patienten mit Schmerzen, denen eine normale Therapie nicht mehr hilft, nicht mehr rund um die Uhr ausreichend betreut werden, halte ich das für ein starkes Stück. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man damit ein Spital saniert." In der Betreuung von Patienten mit extrem starken Schmerzen gehe es um das Wissen von Spezialisten. Susanne Fiala: "Mir tun die Patienten leid, die sich nicht helfen können. Sie zahlen drauf."

apa.at

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