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APA-Artikel 17. Jänner 2014

Gesundheitsberufe: Zeitgemäße Kooperation gefragt (1)

Das Gesundheitssystem und die Gesundheitsberufe sind gefordert: Die Versorgung in Spitälern und Ordinationen muss an die demografischen Veränderungen angepasst werden, die Gesundheitsberufe müssen sich weiter vernetzen. Wohnortnahe Versorgung rückt stärker in den Fokus, mobile Dienste werden immer wichtiger, ebenso psychologische und psychotherapeutische Betreuung. Die Gesundheitsberufe-Konferenz (GBK) informierte am Freitag im Anschluss an den vierten Tag der Gesundheitsberufe in einem Pressegespräch über bevorstehende Entwicklungen. Vehement fordern die Gesundheitsberufe die Einbindung bei den nächsten Schritten der Gesundheitsreform, einen Sitz in der Bundesgesundheitskommission und Maßnahmen zur Entlastung in besonders fordernden Bereichen der Patientenbetreuung. Schließlich hätten auch sie ein Recht auf gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen.

Alle ziehen an einem Strang

"Vor allem Lebensstilerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Erkrankungen des Bewegungsapparates haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen", erklärte Ulla Konrad, Präsidentin des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen (BÖP) und GBK-Vorsitzende. Dies bedeute für alle Gesundheitsberufe starke Veränderungen, zumal immer mehr Kinder und Jugendliche betroffen seien. Suchterkrankungen, aber auch Verhaltensauffälligkeiten würden in immer jüngeren Jahren diagnostiziert. "Um diese Krankheitsbilder zu behandeln, müssen alle an einem Strang ziehen", so Konrad.

Zu den Aufgaben der Psychologinnen und Psychologen gehöre es, den psychischen Druck auch bei physischen Erkrankungen zu lindern, Stress- und Burnout-Prävention zu forcieren und bei der Erarbeitung eines gesunden Lebensstils zu helfen. Konrad: "Die gute Vernetzung mit anderen gesetzlich geregelten Gesundheitsberufen ist hierbei unerlässlich. In Zukunft werden multidisziplinäre Kooperationen auch in der Primärversorgung immer bedeutender werden. Wir sollten uns rechtzeitig darauf einstellen." Von der Politik erwartet Konrad adäquate Strukturen sowie eine stärkere Förderung der wissenschaftlichen Forschung und Ausbildung.

Aufwertung des Haus- und Vertrauensarztes

Für den Vizepräsidenten der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Karl Forstner, steht die Entlastung der Spitäler und eine damit verbundene Aufwertung der Rolle der Haus- und Vertrauensärzte im Mittelpunkt. Und: "Wir brauchen zeitgemäße Formen ärztlicher Zusammenarbeit, die gleichzeitig die Kooperation mit den anderen gesetzlich geregelten Gesundheitsberufen erleichtern und fördern", betonte Forstner. Auch an der Kommunikation müsse gearbeitet werden. Patienten müssten über wohnortnahe Versorgungsangebote informiert werden, während die Gesundheitsberufe sich gegenseitig darüber in Kenntnis setzen sollten, wer welche Aufgaben wahrnimmt und welche regionalen Angebote es gibt.

Die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung sei speziell in der Peripherie ein heikles Thema, da sich immer weniger junge Ärztinnen und Ärzte finden würden, die sich für den Beruf des Landarztes erwärmen könnten. Forstner: "Seit Jahren verspricht die Politik, den Haus- und Vertrauensarzt aufzuwerten und schreibt dieses Anliegen sogar in zahlreiche Regierungsprogramme. Passiert ist bisher nichts." Stattdessen werde im Rahmen der Gesundheitsreform ein "Best Point of Service" definiert, der sich in erster Linie auf die kostengünstige Behandlung konzentriere und nicht etwa darauf, wo eine Behandlung für den Patienten persönlich am angenehmsten sei. Forstner plädierte auch für attraktivere Lebens- und Arbeitsbedingungen speziell für Landmediziner. Die Ärzteschaft sei bereit, sinnvolle Veränderungen im Gesundheitswesen mitzutragen, wolle aber gemeinsam mit den übrigen Gesundheitsberufen in Entscheidungsprozesse eingebunden werden.

apa.at

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