zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 16. Jänner 2014

Zahnspangen: Wahlversprechen beschert Ärzten Patientenschwund

Das SPÖ-Wahlversprechen von Zahnregulierungen für Kinder und Jugendliche auf Kassenkosten aus dem Nationalratswahlkampf sorgt anscheinend derzeit für eine Flaute bei den Kieferorthopäden. "Die Patienten warten auf die Gratis-Zahnspange, die es nicht gibt", sagte Gerhard Kucher, Kieferorthopäde in Klagenfurt, am Donnerstag zur APA. Er selbst hatte im September einen Umsatzeinbruch von 40 Prozent.

Kurz vor Weihnachten hatte Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) erklärt, dass die im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Zahnspangen für Kinder und Jugendliche auf Kassenkosten jedenfalls kommen werden. Die Frage der Finanzierung ist noch nicht geklärt. Stöger sagte, er wolle sich bei den Budgetverhandlungen für die Gratis-Zahnspange einsetzen, sie werde spätestens 2018 kommen.

Die Situation in seiner Praxis habe sich mittlerweile wieder stabilisiert, sagte Kucher. Dies aber vor allem deshalb, weil er auf Erwachsene spezialisiert sei und für diese eine Gratis-Behandlung ohnehin nicht angedacht war. Viele seiner Kollegen hätten aber massive Probleme, manche überlegten sogar schon, Mitarbeiter zu kündigen. Gerade bei kieferorthopädischen Behandlungen für Kinder und Jugendliche ist ein Aufschieben des Therapiebeginns problematisch, sagte Kucher. "Das Wachstum schreitet voran, danach ist oft eine Operation notwendig."

Auch in der Standesvertretung hat man den Patientenschwund wahrgenommen. Martin Brock, Präsident des Verbandes der österreichischen Kieferorthopäden (VÖK): "Viele Kollegen quer durch ganz Österreich, beklagen sich, dass Patienten teilweise schon festgelegte Behandlungen nicht beginnen, weil sie warten wollen." Von massiven Umsatzeinbrüchen will Brock nicht sprechen, gibt aber ähnlich wie Kucher zu bedenken: "Es gibt einen optimalen Behandlungszeitpunkt. Gerade bei Kindern und Jugendlichen kann man Behandlungen nicht unbegrenzt hin und her schieben. Bis 2018 oder den St. Nimmerleinstag zu warten, hat keinen Sinn."

Brock glaubt, dass die Sozialversicherungen im Falle einer Umsetzung planen, ausgeprägte Fehlstellungen in einem höheren Ausmaß zu unterstützen und dass die restlichen Patienten dann nichts mehr bekommen: "Es hat im Wahlkampf geheißen: Gratis-Zahnspangen für alle, die es brauchen - der Nachsatz wurde nicht so sehr wahrgenommen."

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben