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APA-Artikel 10. Jänner 2014

Ärztinnen und Ärzte verzweifelt gesucht, und das nicht nur in ländlichen Regionen

"In der letzten Bewerbungsrunde für Kassenplanstellen, die Mitte dieser Woche beendet wurde, konnte für sechs der 15 ausgeschriebenen Kassenplanstellen kein einziger Bewerber gefunden werden", so Dr. Christoph Reisner, MSc, Präsident der NÖ Ärztekammer. "Möglicherweise beginnt nun der von uns bereits vor einigen Jahren vorhergesagte so genannte Ärztemangel."

Erstaunlicherweise handelt es sich bei den vakanten Planstellen nicht nur um Hausarztstellen auf dem Land. "Diesmal konnten wir beispielsweise für Allgemeinmedizin in St. Pölten Stadt oder für Frauenheilkunde in Herzogenburg keinen einzigen Bewerber finden. Das macht mir große Sorgen", so der Ärztekammerpräsident.

Die NÖ Ärztekammer verweist seit langem auf diese Bedrohung für die medizinische Versorgung, ist jedoch bisher nur auf taube Ohren und Unverständnis gestoßen. Für den stellvertretenden Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Dr. Max Wudy, ist klar, dass das erst der Beginn einer möglicherweise problematischen Zeit sein könnte. "Wir steuern auf eine enorme Pensionierungswelle im ärztlichen Beruf zu, und zwar nicht nur in der Allgemeinmedizin und nicht nur in den Kassenpraxen. In den kommenden zehn Jahren wird fast die Hälfte der Ärzteschaft in den Ruhestand gehen."

Offenbar zu schlechte Arbeitsbedingungen im öffentlichen Gesundheitssystem

Laut Dr. Martina Hasenhündl von der Kurienführung der niedergelassenen Ärzte in Niederösterreich ist der "Ärztemangel" ja im Grunde ein irreführender Begriff, weil es überhaupt keinen Mangel an Ärztinnen und Ärzten gibt, sondern offenbar nur eine immer geringer werdende Bereitschaft, im öffentlichen Gesundheitssystem zu arbeiten. "Wir brauchen uns als Gesellschaft nicht über diese Situation zu wundern, wenn wir nicht in der Lage sind, unseren Ärztinnen und Ärzten Arbeitsbedingungen zu bieten, wie sie in anderen Berufen längst Standard sind."

Präsident Dr. Reisner appelliert an dieser Stelle an alle Ärztinnen und Ärzte, sich die ausgeschriebenen Planstellen unter www.arztnoe.at anzusehen, zu prüfen und sich bei Interesse auch zu bewerben. "Und an die Politiker dieses Landes ergeht der Appell, sich endlich mit einer vernünftigen Gesundheitsreform im Sinne des Best Point of Service für die Patientinnen und Patienten zu befassen. Wenn es gelingt, eine Reform durchzuführen, die unsere Patientinnen und Patienten und somit auch die ärztliche Tätigkeit wieder in den Mittelpunkt stellt, und wenn es gelingt, die überwuchernde, arbeitsbehindernde Bürokratie einzudämmen, dann wird es auch wieder gelingen, genügend Ärztinnen und Ärzte dafür zu begeistern, diesen an sich sehr schönen Beruf auszuüben."

apa.at

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