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APA-Artikel 18. Dezember 2013

Kein Babyfenster am Kantonsspital Frauenfeld

Im Thurgau soll kein Babyfenster eingerichtet werden. Der Thurgauer Grosse Rat hat am Mittwoch eine entsprechende Motion mit 80 zu 37 Stimmen abgelehnt.

Obwohl es sich um eine sinnvolle und bewährte Einrichtung handle, die Kinderleben retten könne, gebe es bis heute in der ganzen Nordostschweiz kein Babyfenster. So begründeten Jürg Wiesli (GLP), Andrea Vonlanthen (SVP) und Astrid Ziegler (CVP) ihre Motion zur Eröffnung eines Babyfensters im Kanton Thurgau.

Laut einer Umfrage befürworteten 86 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer weitere Babyfenster in der Schweiz. Die Einrichtung eines Babyfensters am Kantonsspital Frauenfeld könne eine Lücke im Hilfsangebot für verzweifelte Eltern schliessen, sagten die Motionäre.

Gegnerinnen und Gegner eines Babyfensters sagten, den Motionären gehe es nur vordergründig um den Schutz von Kindern, tatsächlich seien sie jedoch gegen Abtreibungen. Ein Babyfenster löse das Problem nicht. "Mit einem Babyfenster gibt man die Frau auf", sagte Christa Thorner, SP Frauenfeld.

Als Alternative forderten SP und Grüne eine "Vertrauliche Geburt", bei der die Daten der Mutter registriert und versiegelt würden, damit das Kind die Möglichkeit habe, später seine Herkunft zu erfahren. Das Spital sorge für die psychologische Betreuung der Mutter und stelle sicher, dass ihr Umfeld nichts erfahre.

Ein Babyfenster setze falsche Signale, argumentierte auch der Regierungsrat. Eine Geburt ohne fachliche Hilfe gefährde das Leben von Mutter und Kind. Für Frauen in Not wäre eine anonyme Geburt sinnvoller, sagte Gesundheitsdirektor Bernhard Koch. Eine solche Möglichkeit könnte in die laufenden Revision des Gesundheitsgesetzes aufgenommen werden.

Das erste Babyfenster der Schweiz wurde 2001 in Einsiedeln eingerichtet. Das jüngste wurde Ende Oktober am Lindenhofspital in Bern geschaffen. Weitere Babyfenster existieren in Davos GR und in Olten SO.

Am Spital "San Giovanni" in Bellinzona ist die Eröffnung eines Babyfensters geplant. Betrieben werden die Babyfenster in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind (SHMK), die gegen Abtreibung ist.

apa.at

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