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APA-Artikel 16. Dezember 2013

Krebs: Bemühungen um neues Meldegesetz - Differenzen beim Melanom 1

Gesundheitspolitik-, Gesundheitsreform und deshalb auch die Planung sind ohne genaue Erkrankungs- und Todesstatistiken kaum möglich. Hier soll in absehbarer Zukunft ein neues Krebsstatistikgesetz in Österreich Verbesserungen bringen. Es gibt nämlich - je nach Betrachtung - sehr unterschiedliche Zahlen.

Seit Jahrzehnten heißt es unter österreichischen Sozialmedizinern sinngemäß: "Woran die Österreicher leiden, wissen wir ganz bestimmt nach deren Tod (Pathologie; Anm.), schon weniger gut im Spital - und sehr wenig in der niedergelassenen Praxis." Obduktionen im Todesfall, leistungsabhängige Krankenhausfinanzierung im Fall der Behandlung im Spital - abseits davon gibt es offenbar wenige valide Daten.

Erst vor kurzem ist diese Diskussion in Fachkreisen wieder aufgeflammt. Da hieß es in der Kurzfassung einer Studie des Wiener Dermatologen Klemens Rappersberger und dessen Co-Autoren: "Das österreichische Krebsregister (Statistik Austria) sieht eine Meldepflicht aller maligner Erkrankungen für Krankenhäuser vor, dagegen erfolgt die Tumorregistrierung im niedergelassenen Bereich auf freiwilliger Basis. Seit Jahren werden von der Statistik Austria Melanomzahlen veröffentlicht, die deutlich unter jenen in vergleichbaren Ländern liegen."

Das ließ den Dermatologen keine Ruhe. Sie organisierten mit allen auf diesem Gebiet in Österreich tätigen Pathologien bzw. Pathologen (54 Stellen) eine Datensammlung für das Jahr 2011. Fazit: "2011 wurden österreichweit 5.986 maligne Melanome, in situ (nicht invasiv; Anm.) und invasiv, diagnostiziert: 2917 betrafen Männer und 3069 Frauen." Die Statistik Austria hätte hingegen nur 1.534 Meldungen registriert.

Rappersberger, Chef der dermatologischen Abteilung an der Wiener Rudolfstiftung: "Damit ist das Melanom der häufigste maligne Tumor in Österreich, und das hat nicht nur eine große Bedeutung für unser Fach der Dermatologie und Venerologie sondern birgt auch wichtige gesundheitspolitische Informationen."

Die Gesundheitsstatistiker der Statistik Austria sprachen gegenüber der APA eher von einem in dieser Form unzulässigen Vergleich: "Die Krebsstatistik der Statistik Austria enthält alle 'invasiven' Melanome, bei denen der Tumor die 'Basallamina' der Haut durchbrochen hat, was in der Statistik auch so vermerkt ist."

Das Durchbrechen der untersten Hautschicht bedeutet beim "Schwarzen Hautkrebs" eine sich rasch vergrößernde Gefahr für Metastasen und somit Unheilbarkeit. Im leichteren - früher entdeckten - Fall spricht man von einem Melanom "in situ". Die Statistiker sehen im Vergleich der Zahlen von 5.986 (Dermatologen; Anm.) und 1.534 (Statistik Austria) Schwächen: "Die Autoren der Studie haben nämlich invasive und in situ-Melanome zusammengerechnet." Ziehe man die in situ-Melanome ab, die auch nicht in der offiziellen Statistik aufscheinen, blieben in der Studie der Dermatologen 3.381 invasive Melanome übrig.

Des Weiteren sei fraglich, ob die Studie der Dermatologen nicht auch sogenannte Grenzgänger erfasst - also Personen der umliegenden Länder, die sich in Österreich diagnostizieren und behandeln lassen. Das Krebsregister der Statistik Österreich hingegen erfasst ausschließlich Krebsneuerkrankungen der österreichischen Wohnbevölkerung.

Rappersberger wiederum betonte, dass man keinesfalls "Äpfel" mit "Birnen" verglichen hätte. Insgesamt sollten auch niedergelassene Ärzte vermehrt Melanomerkrankunngen melden. Wichtig sei vor allem, dass 80 Prozent der Melanome von den Medizinern in einem frühen Stadium erkannt würden. Dann sind sie nämlich zu einem hohen Prozentsatz heilbar.

apa.at

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