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APA-Artikel 12. Dezember 2013

Zu großes Leistungsangebot in Vorarlberger Tageschirurgie

In den Vorarlberger Spitälern werden Leistungen zum Teil so ausgeweitet, dass sie dem Krankenanstaltsrecht widersprechen. Andererseits werden bei verschiedenen Operationen die als Mindestwerte definierten Anzahlen bei weitem nicht erreicht. Zu diesem Schluss kommt der Rechnungshof (RH) in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. Im Fokus standen die Qualitätssicherungsmaßnahmen.

Überprüft und verglichen wurden die Landeskrankenhäuser in Feldkirch, Bregenz, Hohenems und Bludenz (Rechtsträger: Vorarlberger Krankenhausbetriebsgesellschaft) sowie das Krankenhaus der Stadt Dornbirn. Als Messlatte wurden die im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) vorgegebenen Strukturqualitätskriterien herangezogen. Kritisiert wurde vom RH in diesem Zusammenhang, dass der Gesetzgeber seit 2005 verbindliche Qualitätsvorgaben für die Erbringung von Gesundheitsleistungen schuldig ist.

Wie der RH feststellte, werden an den Krankenhäusern in einigen Abteilungen die Mindestfrequenzen bei den Operationen nicht erreicht. So wurden etwa in den Jahren 2009 bis 2011 in Bludenz und Bregenz jeweils durchschnittlich 4,3 Schilddrüsenentfernungen durchgeführt - der im ÖSG festgehaltene Mindestwert liegt bei 30. Bei Bauchspeicheldrüsen-Eingriffen betrug der Durchschnittswert in Bregenz 3,3, in Dornbirn 1,3, gefordert sind zehn.

Umgekehrt nahmen die interdisziplinär eingerichteten Tageskliniken in Bludenz, Bregenz und Dornbirn Eingriffe im Hals-, Nasen- und Ohrenbereich vor, die weder tageschirurgisch noch als dislozierte Tagesklinik ohne Anbindung an eine entsprechende Fachabteilung zu erbringen sind. In der Tageschirurgie in Hohenems wurden Gallenblasen und Blinddärme entfernt, was ebenfalls über das Leistungsangebot im ÖSG hinausgeht.

Weiters wurde vom RH kritisiert, dass zwar in allen fünf überprüften Krankenanstalten onkologische Therapien durchgeführt werden, dabei aber keine "nachvollziehbaren Festlegungen der Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten vorlagen". Solche Festlegungen sind laut RH allerdings unabdingbar. Das LKH Feldkirch ist Onkologischer Schwerpunkt, die anderen Spitäler werden als assoziierte onkologische Versorgung ausgewiesen. Es gebe jedoch keine schriftlichen Kooperationsvereinbarungen, und auch die Tumorboards - der Kreis der Ärzte, welche die Krebserkrankung diskutieren und Behandlungsmethoden erörtern - würden verschieden und teilweise im Widerspruch zu den Vorgaben des ÖSG gehandhabt.

Alle fünf Krankenanstalten erfassten bestimmte Qualitätsparameter wie etwa aufgetretene Komplikationen, zudem waren überall interne, standardisierte Fehlermeldesysteme eingerichtet. Die Qualitätsdaten wurden in den Spitälern allerdings nicht einheitlich erfasst und waren daher schwer vergleichbar.

apa.at

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