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APA-Artikel 11. Dezember 2013

Spitäler: Pflege und Medizin fordern strukturelle Verbesserungen

Mangelnde Wertschätzung gegenüber Ärzteschaft und Pflegepersonal, enorme Verantwortung, Arbeitsverdichtung und die Übernahme berufsfremder Aufgaben: Pflege und Medizin hätten mehr gemeinsam, als auf den ersten Blick ersichtlich sei, betonten der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, Harald Mayer, und die Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands (ÖGKV), Ursula Frohner, am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Beide forderten zusätzliches Personal zur Entlastung von berufsfremden Tätigkeiten. Speziell Büropersonal für administrative Aufgaben sei dringend notwendig, aber auch Service- und Reinigungspersonal - und zwar an Wochenenden sowie Sonn- und Feiertagen. "Das neu geschaffene Gesetz für Medizinische Assistenzberufe eröffnet Möglichkeiten, die Aufgabenverteilung künftig besser zu gestalten", hielt Frohner fest. Zusätzlich sei mehr Flexibilität notwendig, was die Dienstverträge für Hilfspersonal angehe. Mayer: "Ärzte arbeiten wöchentlich bis zu 72 Stunden und müssen zeitlich flexibel sein. Eine Büro- oder Reinigungskraft hat fixe Arbeitszeiten. Man könnte sich überlegen, Dienstverträge so zu gestalten, dass auch Sekretariatspersonal flexibel eingeteilt werden kann, um z.B. auch am Sonntag im Spital Schreibarbeiten zu übernehmen. Dafür hat sie dann unter der Woche einen freien Tag."

Einen allgemeingültigen Personalschlüssel für sämtliche Fachsparten könne es nicht geben, waren sich Frohner und Mayer einig. Eine Intensivstation erfordere andere Kenntnisse als eine onkologische Station. Das habe Auswirkungen auf den Personalbedarf und die nötigen Qualifikationen. "Beim Bettenbedarf unreflektiert den Rotstift anzusetzen und pauschal Betten einzusparen, ist jedenfalls der falsche Weg. Das gefährdet die Versorgungsqualität und führt zu weiterer Arbeitsverdichtung für Pflege und Medizin", betonten Frohner und Mayer.

Beide glauben, dass ein grundlegendes Umdenken bei den Krankenhausträgern akut erforderlich ist. Die Bevölkerung werde weiter wachsen und weiter altern. Dadurch wandle sich der Bedarf an medizinischer und der pflegerischer Versorgung. Die von der Politik gerne zitierten Rahmengesundheitsziele sehen gute Arbeitsbedingungen der Gesundheitsberufe als wesentlichen Beitrag zu einer qualitativ hochstehenden Gesundheitsversorgung. "Das genannte Gesundheitsziel Nr. 10 wird von der Politik aber unter den Tisch gekehrt", kritisierten die beiden Standesvertreter. Sie forderten die Politik auf, dieses Ziel in Angriff zu nehmen, um dramatische Folgen zu verhindern. Denn wenn jene krank seien, die das System tragen müssen, würde das System früher oder später kollabieren. "Mit kranken, ausgebrannten Leistungsträgern kann man auch keine Gesundheitsreform umsetzen, die obendrein einen drastischen Sparkurs fährt", hielten Mayer und Frohner fest.

apa.at

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