zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 11. Dezember 2013

SeneCura sagt Schmerzen von Pflegeheimbewohnern den Kampf an

Schmerzen gehören für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Alter dazu. "Wenn man so denkt, dann ist man schon in einer Abwärtsspirale und überlegt sich jede Bewegung", sagte Univ.-Prof. Jürgen Osterbrink, Vorstand des Instituts für Pflegewissenschaften an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU), am Mitttwoch. Das Projekt "Schmerzfreies Pflegeheim" soll das ändern.

Die SeneCura Gruppe, die in Österreich derzeit 83 Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen betreibt, hat gemeinsam mit der PMU vor zwei Jahren damit begonnen, in zwölf Pilotheimen dem Schmerz und seiner Bekämpfung besonderes Augenmerk zu schenken. Das Projekt "Optimiertes Schmerzmanagement in Altenpflegeheimen" solle Menschen von unnötigen und unerträglichen Schmerzen befreien und ihnen wieder Lebensqualität zurückgeben, erläuterte Rudolf Öhlinger, Geschäftsführer von SeneCura.

Eine Erhebung bei den Bewohnern hat nämlich ergeben, dass 50 bis 80 Prozent unter Schmerzen leiden. Das schränke die Aktivitäten im Alltag ein. Schmerz führe zu Gewichtsverlust, zu schlechter Stimmung bis hin zur Depression. Demente Menschen neigen unter Schmerz zu aggressiverem Verhalten, berichtete Osterbrink. Mit der Einstellung, dass Schmerzen einfach zum Alter dazugehören, dürfe man sich nicht zufriedengeben.

"Schmerz wird von alten Menschen oft als Schicksal empfunden", weiß der Pflegewissenschafter. Schmerzen würden von den Betroffenen deshalb auch oft verschwiegen. Man wolle das Pflegepersonal damit nicht nerven. Außerdem gebe es bei vielen Betroffenen Bedenken wegen der Einnahme von Medikamenten. Mit der Erhebung in den Pilotheimen wurde der Grundstein gelegt, um Schmerzen gezielter zu erkennen und gemeinsam mit den Medizinern wirksamer bekämpfen zu können. "In dieser Konsequenz ist das im deutschsprachigen Raum einzigartig", erklärte Osterbrink. In den vergangenen Monaten wurden 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu "Pain Nurses" ausgebildet, um das Know-how für Schmerzmanagement flächendeckend in allen Heimen verfügbar zu haben.

Das Schmerzmanagement umfasst eine Neueinstellung der Bewohner bei Medikamenten. In den Häusern setzt man auch stark auf alternative Schmerzbekämpfung mit Wärme, Kälte, Ablenkung, Ernährungsumstellung oder Bewegungsaufbau in den heimeigenen Fitnessstudios. Nach den 21 Pilothäusern wird das Projekt in den nächsten Wochen in den anderen Heimen umgesetzt werden, kündigte Öhlinger an. "Wir werden den Schmerz nicht abschaffen können. Aber wir können unnötige Schmerzen bekämpfen", sagte der SeneCura-Geschäftsführer.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben