zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 11. Dezember 2013

ÖGKV fordert dringend Strukturverbesserungen in Österreichs Spitälern

Die Fülle an organisatorischen und bürokratischen Aufgaben im Krankenhaus hat in den letzten Jahren drastisch zugenommen. Diese werden derzeit, zusätzlich zu ihren pflegerischen und medizinischen Tätigkeiten, von Pflegefachpersonen und Medizinern übernommen, die bereits an ihrem Kapazitätslimit sind. Das müsse sich dringend ändern, betonte heute bei einem Pressegespräch die Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV) Ursula Frohner. "Die eigentlichen pflegerischen Aufgaben, wie etwa die Umsetzung von Behandlungskonzepten, die Unterstützung Pflegebedürftiger oder die Vorbereitung der Angehörigen auf komplexe Pflegesituationen zu Hause, können unter den derzeitigen Bedingungen nicht im Sinne der Betroffenen erfüllt werden", so Ursula Frohner. "Beratung und Anleitung braucht Zeit und diese ist für die Patienten zunehmend weniger vorhanden."

Der Hintergrund der Experten-Warnung: Seit 1992 ist die Aufenthaltsdauer von Patienten im Krankenhaus von 6,4 Tagen auf derzeit durchschnittlich 4 Tage gesunken - das steigert das Arbeitsaufkommen von Pflege und Medizin massiv, da Aufnahmeprozedere und Administration für jeden Patienten zu erledigen sind. Im Jahr 2012 wurden in ganz Österreich insgesamt 2.813.756 Patientinnen und Patienten aus stationärer Behandlung entlassen. Dies bedeutet eine Zunahme der Spitalsentlassungen gegenüber dem Jahr 2002 von 331.440 Patienten, und im Vergleich zu 1992 ein Plus von 980.244 Patienten.

Die Aufgaben der Pflegefachberufe gewinnen schon durch den wachsenden Anteil der älteren Bevölkerung immer mehr an Bedeutung, so Frohner. Die steigende Lebenserwartung der Menschen bedeute auch, dass diese vermehrt mit krankheitsbedingten Einschränkungen den Alltag bewältigen müssen. Daher seien bedarfsorientierte Pflegekonzepte das Gebot der Stunde.

"Die Fachkompetenz der Pflege muss für Pflegebedürftige genützt werden und darf nicht für Administration oder hauswirtschaftliche Tätigkeiten vergeudet werden. Wir fordern daher dringend die Einbindung von Servicekräften und Büropersonal in die Verwaltungsaufgaben auf den Stationen, auch am Wochenende und im Nachtdienst", so die ÖGKV-Präsidentin.

Darüber hinaus müssen die Aufgaben rund um die Patientenversorgung zwischen Pflege und Medizin neu gestaltet werden, so Ursula Frohner: "Dies betrifft in erster Linie die vielfach geforderte Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten, wie beispielsweise Blutabnahmen, durch den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege."

In allen Gesundheitsberufen werde es in den kommenden Jahren durch die demographische Entwicklung zu Personalknappheit kommen, betonte Frohner: "Um die veränderten Versorgungserfordernissen im Gesundheitswesen qualitativ und quantitativ erfüllen zu können, sind die Gesundheitspolitiker gefordert, umgehend strukturelle Reformen in Österreichs Spitälern in die Wege zu leiten."

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben