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APA-Artikel 5. Dezember 2013

Kosmetik-Check: Verbot von hormonell wirksamen Chemikalien gefordert

Global 2000 hat rund 400 Kosmetikprodukte auf hormonell wirksame Chemikalien untersucht. Jede zweite Bodylotion, jedes zweite Aftershave und jede fünfte Zahnpasta enthalten demnach die zwar erlaubten, aus Sicht vieler Experten aber problematischen Stoffe. Bei Zahnpasten seien ausgerechnet Kinderprodukte am stärksten betroffen. Die Umweltschützer fordern ein Verbot dieser Substanzen.

Für den am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentierten Kosmetik-Check wurde das Kleingedruckte auf den Verpackungen - die deklarierten Inhaltsstoffe - von Bodylotions, Zahnpasten und Aftershaves aus drei heimischen Drogerieketten analysiert. Bei den kritisierten Inhaltsstoffen handelt es sich überwiegend um Konservierungsmittel aus der Gruppe der Parabene sowie chemische UV-Filter (Ethylhexyl Methoxycinnamate). Insgesamt war mehr als ein Drittel der konventionellen Körperpflegeartikel belastet. Als frei von hormonellen Schadstoffen erwiesen sich 38 mituntersuchte Naturkosmetikprodukte.

Es geht um Substanzen, die durch ihre zufällige strukturelle Ähnlichkeit mit körpereigenen Hormonen die hormonellen Steuerungsprozesse im menschlichen Körper negativ beeinflussen können. "Bei den gefundenen Stoffen handelt es sich um Chemikalien, deren hormonell schädigendes Potenzial an Tieren klar belegt ist", sagte Global-2000-Biochemiker Helmut Burtscher.

"Hormonelle Schadstoffe werden mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Zusammenhang gebracht, die seit einigen Jahrzehnten auf dem Vormarsch sind", erläuterte Andreas Lischka, langjähriger Vorstand der Kinderklinik Glanzing. "Am besten belegt sind Beeinträchtigungen des Fortpflanzungssystems, Hormon-assoziierte Krebsarten wie Brust-, Prostata- und Hodenkrebs, verfrühte Pubertät bei Mädchen sowie Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern." Weiters nannte er einen möglichen Zusammenhang mit Stoffwechselerkrankungen wie Fettleibigkeit und Diabetes.

Besonders heikel seien Störungen der hormonell regulierten Entwicklungsprozesse bei Fötus und Säugling. Vor und kurz nach der Geburt könnten bereits kleinste Mengen hormonell wirksamer Chemikalien "irreversible Schäden verursachen", sagte Lischka. Dass solche Substanzen im Blut von Neugeborenen und in der Muttermilch nachweisbar seien, sollte zumindest "nachdenklich machen".

Lischka hält die wissenschaftlich belegte Stichhaltigkeit für die negative Wirkung für "sehr hoch". Selbst bei niedrigen Dosen seien "deutliche Antworten" nachweisbar, allerdings nicht immer unmittelbar: Schädigungen könnten auch erst im späteren Lebensalter auftreten oder auf die nächste Generation übertragen werden.

Die EU habe sich bisher nicht auf Kriterien, die zu Verboten führen könnten, geeinigt, berichtete Burtscher. Parabene etwa - eine Gruppe von häufig eingesetzten Konservierungsmitteln - seien bei der jüngsten Begutachtung erneut als sicher eingestuft worden, so lange die geltenden Grenzwerte eingehalten werden. Dänemark hat hingegen schon 2011 ein Teilverbot für Propyl- und Butylparabene in Kosmetika für Kinder unter drei Jahren ausgesprochen.

Hormonell wirksame Chemikalien hätten in Körperpflegeprodukten aber grundsätzlich nichts verloren. Viele, auch konventionelle, Marken kommen nämlich bereits gut ohne aus, betont Global 2000. Bis die EU für ein Verbot sorgt, sollten die anderen Hersteller diese Stoffe freiwillig vorsorglich verbannen und die heimische Politik dem Beispiel Dänemarks folgen, forderte Burtscher. Besorgte Konsumenten müssen bis dahin die Listen der Inhaltsstoffe genau studieren.

(S E R V I C E - Nähere Informationen für Konsumenten: www.global2000.at/kosmetikcheck)

apa.at

  • Herr Dr. Thomas M. Treu M.Sc., 02.01.2014 um 08:13:

    „Höchste Zeit das Thema seriös anzupacken! Die bis dato von der EU iniziierten Massnahmen werden nicht umgesetzt und sind z.T. unzureichend! Der Gesundheitsminister (Österreich) beschäftigt sich lediglich mit der sog. Gesundheitsreform und presst die Medizin in die Bürokratie, der Wirtschaftsminister (Österreich) ist zugleich Wissenschaftsminister und wird sich hüten das was die Wirtschaft belasten könnte aber die Gesundheit schützt, umzusetzen.“

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