zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 2. Dezember 2013

Prozess um falsche Abrechnungen eines Wiener Arztes in nächster Runde

Der Prozess um falsche Abrechnungen eines praktischen Arztes ist am Montag am Wiener Straflandesgericht fortgesetzt worden. Erneut wurden Dutzende ehemalige Patienten des Mediziners befragt. Wieder zeigten sich in einigen Fällen deutliche Unterschiede punkto tatsächlich erfolgter und abgerechneter Behandlungsgespräche. Mit einem Urteil war erneut nicht zu rechnen.

Besonders eklatant wurde es im Fall eines 48-jährigen Mannes, der im Zeugenstand angab, lediglich ein Erstgespräch mit dem Arzt geführt zu haben und anschließend gar keines mehr. Laut dem Vertreter der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) wurden allerdings 243 Gespräche abgerechnet. Im Laufe der Verhandlung sagten zahlreiche Patienten aus, sie hätten nur einige Male pro Jahr mit dem 68-Jährigen gesprochen - dieser hatte jedoch mitunter dreistellige Konsultationszahlen angegeben.

Der Schaden beträgt laut Staatsanwaltschaft mehr als 700.000 Euro. Der Angeklagte hatte sich bereits am ersten Verhandlungstag teilweise schuldig bekannt. Es seien "Malversationen passiert", jedoch bei weitem nicht in dieser Höhe. Bei Hunderten Patienten soll der Mediziner über deren E-Cards Behandlungen vorgegeben haben, die - zumindest laut Überprüfungen der Behörden - niemals stattgefunden haben dürften.

Ein Großteil suchte den Mediziner zum Zweck einer Drogen-Substitutionstherapie auf, im Rahmen derer sie ein bis mehrere Male pro Monat Rezepte abholten. Der Arzt war vor knapp eineinhalb Jahren den Behörden aufgefallen. Es wurde bekannt, dass er die Drogen-Szene mit Medikamenten versorgt haben dürfte, indem er Rezepte für psychotrope Stoffe an Nichtberechtigte weitergab. Im Zuge der umfangreichen Ermittlungen kamen dann auch die Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung mit der WGKK zutage.

Ärzten in seiner Umgebung war nach dem Einschreiten der Behörden zunächst aufgefallen, dass plötzlich zahlreiche Drogenpatienten auftauchten, die neue betreuende Ärzte für die Substitutionstherapie benötigten. Zum Teil waren ihnen zuvor offenbar auffällig hohe Dosierungen an Beruhigungsmitteln zusätzlich zu den Opiaten verschrieben worden.

Richter Harald Craigher, der Vorsitzende des Schöffensenats, setzte die Verhandlung am Montagnachmittag mit weiteren Befragungen fort. Da jedoch Beweisanträge gestellt wurden und Dutzende aufgerufene Zeugen nicht erschienen waren, war vorerst kein Urteil zu erwarten.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben